Wickelräume und Payback

keinthema.jpgEs ist seltsam oder auch nicht so sehr, dass man auf Herrentoiletten keine Wickelräume findet, keinen Behälter für Hygienepapier, dafür aber Kondomautomaten, die man im Gegensatz zu den beiden ersteren Dingen auf Damentoiletten selten bis nie installiert hat. Seltsam, aber aus diesen drei Beobachtungen lässt sich seriöserweise kein Weltbild ableiten und schließlich formulieren am Schluss; - und im Grunde genommen sind diese Erfahrungen kein erschöpfendes Thema für eine Kolumne, jedenfalls nicht für diese.

Diese Feststellungen waren Thema eines Mailwechsels, den ich vor Jahren einmal führte, ich habe mich daran erinnert, als ich heute ein Buch namens „Payback“ bei einem Freund im Bücherschrank entdeckte, - ein Lamento über das Kommunikationszeitalter, um den Inhalt kurz zusammenzufassen. Alles ist so schnell, so viel, so unübersichtlich, so oberflächlich geworden, so laut. Keine neue Erkenntnis also, dass das Internet, beispielsweise, kein geeignetes Medium für die Müden und Langsamen ist, jedenfalls nicht, um über dieses zu kommunizieren. Diesen eher apollinischen Charakteren empfiehlt es sich, zur Weitergabe ihrer Erkenntnisse und so Briefe zu schreiben und Münztelefone zu benutzen.

So, wie wir das früher gemacht haben, als es noch keine Handys gab, keinen Festnetzanschluss in jedem Haushalt und Internet überhaupt nicht. Diese Zustände waren überhaupt kein Problem für Zeitgenossen, die keinen großen Freundes- oder Bekanntenkreis hatten, oder die diesen im überschaubaren Rahmen pflegten, der auch zu Fuß zu durchqueren war, - ich selbst erinnere mich mit Grauen an Abende, die ich auf der Suche nach einer intakten Telefonzelle verschleudern musste, um eine Verabredung zu treffen oder so, und hatte man eine gefunden, so war das Scheißding besetzt oder das eigene Kleingeld reichte nicht, der andere Teilnehmer nicht zu erreichen, - Sie erinnern sich da vielleicht selbst. Heute benutze ich meinen Festnetzanschluss mit AB, mein Handy, schreibe Mails, an der technischen Möglichkeit zu kommunizieren scheitern Beziehungen zu Menschen, die ähnlichen Wert auf Erreichbarkeit legen, bei mir nicht mehr.

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Fahnenflecken

Für Leli

keinthema.jpgWie ich die Leser unserer kleinen Kolumne kenne, haben auch Sie sicher weder Kosten noch Mühen gescheut, Ihre Wohnung, Ihr Haus, Ihr Schloss, Ihr Auto und sonstiges anlässlich der Fußball WM mit einer Deutschlandfahne aus hochwertigem Stoff zu beflaggen, aber haben Sie auch gewusst, dass einer der größten Hersteller dieser Fahnen für die eher anspruchsvolle Kundschaft die Firma FahnenFleck in Pinneberg ist, fünf Prozent ihres Jahresumsatzes erhofft dieses Unternehmen durch den Verkauf ihrer hochwertigen Siebdruckware während der WM 2010 zu erwirtschaften.

Nomen est Omen könnte man sagen, wolle man denn boshaft sein, zumal sich diese Gemeinheit geradezu aufzwingt, schaut man sich unsere Bundesfahne einmal kritisch an, wie sie, beispielsweise im Original, auf dem Dienstgebäude des Deutschen Bundestages, Berlin, Unter den Linden 50 (oder auch 71), in der Größe 2m x 4m zu bewundern ist. Die deutsche Bundesfahne sieht fleckig aus, was daran liegt, dass man den Goldton, wie er in der Bundesverfassung von 1949 vorgeschrieben ist, in Artikel 22, durch die Farbe Gelb zu imitieren versucht, was unter anderem daran liegt, dass es die Farbe Gold nicht gibt, sie so gesehen nicht druckbar ist, und eine Verwendung echten Goldes in der Praxis selbst für die fanatischsten Nationallisten zu teuer ist mit der Zeit. So verwendet man üblicherweise die Farbe mit der Nummer 1028 des RAL-Farbfächers, eben gelb, um auch in dieser Frage die Ansprüche und Vorschriften des Grundgesetzes möglichst originalgetreu zu imitieren.Wobei die Glaubwürdigkeit dieser heraldischen Improvisation mit abnehmender Druckqualität natürlich zunehmend leidet, Produkte, wie sie die Discounter anbieten, sind fast schon als Parodie zu bezeichnen, und das ist, siehe oben, vielleicht sogar ein auch politisch bewusster Anschlag auf das ästhetische Empfinden gesunder Menschen.

Das Problem des Plagiats hätte sich übrigens nicht gestellt, wären die Deutschen bereit gewesen, den von den Siegermächten 1946 zur Identifikation deutscher Schiffe vorgeschriebenen „C-Doppelstander“ als Bundesflagge zu übernehmen, wobei das „C“ als Abkürzung für „Capitulation“ stand. Eine Fahne in den sehr schönen Farben Blau und Rot, mir hätte auch die symbolische Aussage dieser Standarte gefallen.

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Nunja

Nunja,…wie die Dinge ihren Reiz verlieren, wenn man sie trennt, und wenn man sie auch nur trennt, um eine Ordnung herzustellen, wieder herzustellen, nach Regeln, an die man sich gewöhnt hat oder gewöhnen musste, aber die Dinge verlieren ihren Charme, ihren Sinn, ihren Wert, meinetwegen, und am Ende ist alles Inordnung und es Istnichts und es ist ein Nun und ein Ja.

Und ich verstehe nichts von Autos, und interessiere mich nicht für sie, selbst für die nicht, die ich selbst fahre, und oft weiß ich weniger über sie als über mich selbst. So hatte ich mir einmal einen Wagen geborgt, das ist eine längere Geschichte, eine andere Anekdote. An dem Abend, ich hatte ihn etwa zwei Wochen gefahren, da musste ich abends noch tanken, und an der Tankstelle war ich der einzige Gast. Müde war ich damals, ständig todmüde, und vieles musste ich erledigen wie ein Automat, auch das Bezahlen an der Tankstelle, und weil ich immer vergesse, mir die Nummer der Zapfsäule zu merken, sagte ich eben:

„Der rote Peugeot, was macht das, bitte“, zählte dabei mein Geld, - oder: was man so macht.

Aber dieser Blick der Kassiererin, so seltsam sah sie mich an, so misstrauisch, und ich fragte:

„Stimmt etwas nicht“, denn es stimmt ja ständig irgendetwas nicht, vor allem, vor allem nicht, wenn es um Geld geht, am Schluss.

„Das ist kein Peugeot, das ist ein Renault“, und ich weiß nicht mehr, was ich dachte bei dieser Antwort, meistens denke ich: Albernedetails, wie schön wäre das Leben ohne diese albernen Details.

„Wie auch immer: wenn es dadurch billiger wird“, ganz bezaubernd: mein Lächeln dazu, und dieser Charme, und die Dame überlegte kurz, ob sie das Angebot annehmen sollte, Lächeln und Charme, aber billiger wurde es dadurch natürlich nicht, und als ich wieder in dem Rotenauto nach Hause fuhr, dachte ich darüber nach, dass es noch Ärger geben könnte, heute. Spektakulären Ärger, eben.

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Texte

Danke

keinthema.jpgWas werden Sie eigentlich heute machen, außer meine Kolumne zu lesen? Ich selbst werde heute wählen gehen, in dem Bundesland, in dem ich lebe, finden Landtagswahlen statt, eine dieses Mal besonders wichtige und spannende Wahl, weil ihr Ausgang ungewiss ist: Große Koalition oder Große Koalition ist hier die Frage. Und natürlich, wer diese Große Koalition leiten wird, Frau Rüttgers oder Herr Kraft, aufgrund derer starken Charaktere und klaren Überzeugungen hängt von dieser Entscheidung nicht nur das Schicksal Nordrhein Westfalens ab. Und anschließend werde ich meine Mutter besuchen, und mit ihr und meiner Familie gemeinsam den Muttertag feiern. Es wird ein viel zu reichliches Mittagessen geben und anschließend Kaffee und Kuchen für eine ganze Armee, und es wird überhaupt wunderschön werden.

Ob Sie selbst mit Ihrer Familie diesen Ehrentag ähnlich begehen, das weiß ich nicht, was ich weiß: Heute werden auf der Welt 17.000 Kinder verhungern, dies ist Zahl, die die UNICEF in ihrem Kinderreport 2010 angibt. 550 Kinder werden in einem der Kriege sterben, die derzeit in ca. vierzig Staaten vor allem gegen die Zivilbevölkerung geführt werden. 5480 Kinder werden als Folge dieser Kriege zu Flüchtlingen werden, die Anzahl der Kinder, die durch Minen und ähnliches lebenslänglich verkrüppelt oder sonst wie verletzt werden, ist ungefähr doppelt so groß. Insgesamt werden, während wir den Muttertag feiern, ca. 25.000 Kinder sterben, viele an Krankheiten, die leicht zu verhindern wären, würde das Schicksal dieser Kinder irgendjemanden interessieren in der so genannten zivilisierten Welt. Vier Millionen Kinder werden sich heute als Prostituierte missbrauchen lassen müssen weltweit, und 191 Millionen Kinder in der Welt werden heute arbeiten müssen, unter Bedingungen, die Herr Westerwelle und seine Kumpane nicht einmal einem Hartz IV-Empfänger zumuten würden. 300 000 Kinder werden als so genannte Kindersoldaten verheizt werden.

In Deutschland werden am 09. Mai 2010 ca. 2,5 Millionen Kinder arm sein wie jeden Tag, auch im doch im Grunde genommen reichen Deutschland haben nicht alle Mütter und ihre Familien einen besonderen Grund zu feiern. 320 000 Kinder werden in Deutschland heute Opfer sexuellen Missbrauchs werden, 20.000 Kinder werden heute als Prostituierte vergewaltigt werden. 110 Kinder werden heute im Straßenverkehr verunglücken… Usw. Leider: Und so weiter.

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Omerta

Für Sarah

keinthema.jpgGestern Abend habe ich mit einer Freundin telefoniert, lange, für meine Verhältnisse, und es war schon spät, für meine Verhältnisse. Aber ich bin eingeschlafen danach als ein glücklicher Mensch, denn meine Freundin und ich hatten etwas gerettet, was zu den wichtigsten Dingen im Leben zählt, zu den moralisch wichtigsten: wir hatten eine Freundschaft gerettet. Es gibt kaum etwas Wichtigeres als Freundschaft im Leben, die Freundschaft ist die Mitte zwischen dem Gefühl der Liebe, das man nur für die allerwenigsten Menschen in einem Leben empfindet, und dem Gefühl des Mitleides, das man für alle Menschen empfinden sollte, ein ganz besonderer Schwerpunkt in einem Leben.

Eine Freundschaft entsteht auch aus einer Mitte, weil man ein „Medium an Weltinteressen“ gefunden hat, wie Schopenhauer das nannte, also eine gemeinsame Mitte in den Dingen, die das eigene Leben ausmachen. Oft genügt dazu eine einzige Sache, um diese Mitte zu finden, beispielsweise das Interesse an Büchern. Damit aus diesem Medium eine Freundschaft entstehen kann bedarf es der gegenseitigen Sympathie, nicht jeder, mit dem man Interessen teilt, ist man befreundet oder bereit sich anzufreunden, fehlt die Sympathie, oder besteht sogar eine Abneigung gegen einen Menschen, der gemeinsame Interessen mit einem selbst hat, kann daraus sogar so etwas wie eine Feindschaft entstehen. Man verteidigt dann gewissermaßen seine eigenen Dinge gegen diesen Menschen, oder, um es schlicht zu formulieren: Ich kann mir nicht vorstellen, dass ein Blödian die gleichen Bücher mag wie ich, die Bücher sind für mich gewissermaßen entwertet dadurch, dass ein Heiterle sie mag.

Ganz wichtig für den Fortbestand einer Freundschaft ist der gegenseitige Respekt, man kennt die Stärken und Schwächen seines Freundes und akzeptiert diese aus Freundschaft. Respekt ist ein Zustand zwischen Verachtung und Bewunderung, wieder eine Mitte also. Man ist bereit, das ernst zu nehmen, was der Freund sagt und wie er handelt, auch wenn es einem auf den ersten Blick nicht plausibel erscheint, weil man einen Grundrespekt vor ihr oder ihm hat und so zuerst einmal davon ausgeht, dass es richtig ist, was sie oder er entschieden hat. Da man aber in ständiger Sorge um das Wohlbefinden seines Freundes ist, prüft man seine Entscheidungen mit den eigenen Mitteln und versucht ich vor Fehlentscheidungen zu bewahren. Bei jemandem, den man verachtet oder bewundert fehlt diese Sorge um das Glück des Anderen und so gesehen auch der Respekt vor der Person. Bei jemandem, den man bewundert, fehlt der Respekt vor dessen Schwächen, und bei jemandem, den man verachtet, der Respekt vor seinen Stärken.

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Parvenüs

keinthema.jpgErlauben Sie mir eine persönliche Bemerkung zu Anfang dieser kleinen Kolumne: Am 09.Mai 2010 werden in dem Bundesland, in dem ich wohne, Landtagswahlen stattfinden, es handelt sich um Nordrhein Westfalen, das bevölkerungsreichste Bundesland, und es ist eine wichtige Wahl für den Bund nicht nur deshalb, es geht auch um die Mehrheiten im Bundesrat, aber: Für mich bedeutet diese Wahl, dass ich seit dreißig Jahren wählen darf und wählen gehe. Ich erinnere mich noch an meine erste Beteiligung an einer Wahl, es war ebenfalls eine Landtagswahl in NRW, sie fand an einem Muttertag statt, drei Tage nach meinem 18. Geburtstag. Damals kandidierten Die Grünen zum ersten Mal für den Landtag, sie wurden nicht ernst genommen von den etablierten Parteien, man konzentrierte sich bei dieser Wahl auf die kommende Bundestagswahl im Oktober, und ich erinnere mich, wie die SPD vor den Wahllokalen stand und Blumen verschenkte, und der damalige Slogan lautete: „Viele Blumen, aber kein Strauß“,- gemeint war der damalige Spitzenkandidat der Union, Herr Strauß, der gegen den amtierenden Kanzler, Herrn Schmidt, antrat. Vergeblich, übrigens, und in NRW gab es damals eine überzeugende Mehrheit für den amtierenden Ministerpräsidenten Johannes Rau, Die Grünen schafften es nicht, in den Landtag einzuziehen, - die Zeiten ändern sich, wie Sie sehen.

Damals war ich aufgeregt vor der Wahl, ich glaubte noch an eine demokratische Pflicht, die ich erfüllen durfte und musste, die Parteien waren klar gegeneinander positioniert, unterscheidbar in ihrem Programm, und es standen starke Persönlichkeiten, um nicht zu sagen: Charaktere an deren Spitze. Was mir als jungem Menschen nicht gefiel, ich mochte diese autoritären Typen nicht, diese ganzen ehemaligen Offiziere, die dieses andressierte Gehabe auch in der Politik nicht ablegen konnten oder wollten. Sie hatten aber wenigstens einen Charakter, auch wenn der mir nicht gefiel.
Bei der kommenden Wahl treffe ich eine Entscheidung zwischen Not und Elend, was die großen Parteien betrifft, zu denen auch Die Grünen zählen, die sich mittlerweile auch anders nennen. Seit zwölf Jahren sind diese vier Parteien in verschiedensten Koalitionen an Bundesregierungen beteiligt, und was sie jetzt, als ehemalige oder derzeitige Oppositionspartei propagieren, muss eben an dem Ergebnis dieser Jahre gemessen werden. Waren CDU und FDP wegen ihres Konservatismus nie eine Wahloption für mich, so sind die anderen beiden Parteien aufgrund ihrer Abkehr von ihren früheren sozialen oder alternativen Standpunkten nicht mehr wählbar. Sie sind, wie soll ich es nennen: Neureich geworden.

Neureiche nennt man jene unsympathischen Zeitgenossen, die, auf welchen Wegen auch immer, zu Reichtum gekommen sind, denen aber ein kultivierter Umgang mit diesem Reichtum nicht gegeben ist. Sie möchten gerne dazugehören zu den so genannten kultivierten Kreisen, sind aber zu ungebildet, um dort ernst genommen zu werden und erkaufen sich eine Teilhabe daran durch ihr Geld. Ein Beispiel für einen solchen Parvenü ist der österreichische Bauunternehmer Richard Lugner, der in wechselnder Begleitung mehr oder weniger bekannter Damen den Wiener Opernball heimsucht. Mit Paris Hilton, beispielsweise, den Damen zahlt er ein nicht unbeträchtliches Honorar für ihre Auftritte.

Nun ist kultiviert ein Adjektiv, das im politischen Geschäft unpassend ist, weil es keine Rolle spielt, in der Politik geht es um Macht. Um Entscheidungen treffen zu können. Die Macht haben die Vertreter der Wirtschaft in Deutschland, und die Politiker sind dazu da, deren Forderungen umzusetzen, so war es jedenfalls in den vergangenen 15 Jahren. Und diese Wirtschaftsbosse dulden Politiker in ihren Kreisen nur als ihre Marionetten, und belohnen diese für gefälliges Verhalten nach ihrem Ermessen. Politiker sind die Parvenüs der Wirtschaft geworden, besonders auffällig geworden ist dies am Beispiel der Herren Schröder und Fischer, deren Laufbahn politisch Interessierten bekannt sein dürfte.

Aber wieder findet die oben genannte Wahl an einem Muttertag statt, ein Jubiläum für mich, auf das ich mich wenig freue. Damit meine ich die Wahl, nicht den Muttertag. Ich liebe meine Mutti sehr, und freue mich darauf, ihr wenigstens ein Mal im Jahr eine Freude machen zu dürfen, indem ich sie besuche. Ich wünsche mir für alle Töchter und Söhne dasselbe, den Müttern ohnehin, und fast allen Menschen wie immer:

Einen schönen Tag.

Eine Operette

keinthema.jpgGerade habe ich einen interessanten Artikel gelesen, in der SZ-Onlineausgabe, den Quatsch einmal zusammengefasst behauptet dort ein Herr von G. Folgendes: Dem Ansehen Deutschlands im Ausland und dem Ansehen des Amtes deutschen Außenministers überall schadet es nicht, dass offensichtlich heute und in der Vergangenheit Spenden an die Partei des Amtsinhabers oder sehr persönliche Beziehungen zu diesem in einem, nun, nennen wir es freundlich: engem Zusammenhang stehen. Dem Ansehen schade es vielmehr, wenn Kritik an diesen Praktiken geübt werde. Wobei dieser Herr nicht verschweigt, dass er selbst zu elf Auslandsreisen eingeladen war und an sieben teilgenommen hat. Beispielhaft erwähnt er eine dieser Exkursionen, die, obwohl solche Zusammenhänge im gesamten Artikel bestritten werden, merkwürdigerweise doch einen solchen hatte: Er durfte dem chinesischen Staatspräsidenten eines seiner Projekte vorstellen, assistiert wurde ihm bei dieser Präsentation von dem damaligen Bundeskanzler Gerhard Schröder.

Die Wirtschaft unterliegt keinerlei moralischen Grundsätzen, nur dem einen einzigen, nämlich Profit zu erwirtschaften, und jemandem, der behauptet, er vertrete Wirtschaftsinteressen irgendwo oder überall vollkommen selbstlos, glaube ich kein Wort. Zumal ein solcher Unternehmer ein schlechter wäre, in der Wirtschaft führt Selbstlosigkeit in aller kürzester Zeit in den eigenen Ruin, und wenn jemand gar vorgibt, selbstlos die Wirtschaftsinteressen einer gesamten Nation zu vertreten, so ist vor einem solchen Gutmenschen sogar ausdrücklich zu warnen, er ist auf dem Weg, eine gesamte Volkswirtschaft zu ruinieren. Niemand vertritt die Interessen einer nationalen Wirtschaft, jeder vertritt die eigenen und behauptet, damit allgemeine Interessen zu vertreten, oder er glaubt sogar daran. Eine solche Behauptung oder ein solcher Glaube ist weder soziologisch noch philosophisch, auch psychologisch nicht plausibel, ein Grund für die zahlreichen Zusammenbrüche kapitalistischer Systeme, die wir in jüngster Geschichte, beispielsweise, beobachten durften. Aktuelles Beispiel: der Bankrott Griechenlands. Vielleicht einmal ein Thema für eine andere Kolumne.

So gesehen geht und ging es also bei Auslandsreisen unserer Politiker vorwiegend um Geschäfte, die im Vorfeld solcher Reisen angebahnt werden. Man lässt einen Herrn Westerwelle das nicht selbst machen, dazu hat er seine Experten in seinem Ministerium, die reisen mit den Experten der Wirtschaftsunternehmen vorab an. Der Besuch selbst ist dann Operette, so wird das auch in dem zitierten Artikel beschrieben und genannt. Kein Grund zur Aufregung, immerhin hat der mündige Bürger durch seine Stimmabgabe bei Wahlen entschieden, dass solche Spektakel stattfinden und seit Jahren keine Politiker mehr als Vertreter gewählt, sondern Lobbyisten.

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