Zu Besuch

Gastkolumne

Ein merkwürdiges, schwer beschreibbares oder benennbares Gefühl, das einen überkommt, wenn man eine Wohnung besucht, in der man lange gelebt hat: Jetzt wohnen dort andere Menschen, die aus der Wohnung, beispielsweise durch eine andere Möbilierung, etwas geschaffen haben, was vertraut nur noch in der Erinnerung erscheint, und wenn man Glück hat, gefällt Einem die alte, neue Wohnung, oder falls man noch größeres Glück hat, gefällt sie Einem nicht, aber man freut sich darüber, dass sie Einem nicht gefällt, weil sie den Bewohnern gefällt und weil sie Recht haben mit dem Leben ihres eigenen Geschmacks…

Vielen Dank für die Einladung, hier an dieser Stelle eine Gastkolumne schreiben zu dürfen, ich fühle mich geehrt. Warum ich als 50jähriger eingeladen wurde, eine Jugendkolumne zu schreiben: ich bin der Vormieter dieser Kolumne und habe diese mittlerweile: Institution unter den Kolumnen gegründet, 2006, ich war damals der Jugendvertreter des Forums. Und mir wurde erlaubt, einmal meine Meinung zu äußern über die Tapeten und Bilder, die diese Wohnung nun schmücken. Danke sehr.

Initialisiert wurde diese Kolumne als Angebot an junge Autoren dieses Forums, ihre Meinung zu äußern jenseits der Diskussionsforen. Nicht jedes Thema, das einen jungen Autoren beschäftigt, eignet sich für eine Diskussion im gleichzeitig 2006 gegründeten Jugendforum, da es von so genanntem öffentlichen Interesse sein könnte, beispielsweise für Eltern, und nicht jedes Thema, das ein junges Mitglied dieser Gemeinschaft besprechen möchte, ist für eine öffentliche Forendiskussion geeignet, wieder beispielsweise deshalb, weil die Gefahr bei einer Kolumnendiskussion geringer ist als in fast naturgesetzmäßig ablaufenden Hauptforendiskussionen, dass die Diskussion kaputtgetrollt wird oder in Zerstrittenheit endet am Schluss. Im Laufe der Zeit hat sich herausgestellt, dass es spezielle Jugendthemen nicht gibt, die hier bisher behandelten Themen haben fast alle Bereiche des so genannten Lebens umfasst, Liebe, Tod, usw. Nur eben gelegentlich bis öfter aus der Sicht eines jungen Menschen.

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Ravi Wuppertal

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Es regnet schon wieder in Wuppertal, Wuppertal ist die Stadt mit dem höchsten Jahresniederschlag Deutschlands, vierhundert Regentage im Jahr, außerdem gibt es bei uns die berühmte Schwebebahn und die höchste Sektendichte Deutschlands, prozentual je Einwohner gerechnet. Regen, Schwebebahn, Spinner, dafür sind wir berühmt. Wir Wuppertaler haben gelernt, mit dem Regen zu leben, die Schwebahn intelligent zu nutzen, und die Sektierer zu ignorieren. Man geht an ihnen vorbei, wortlos, und falls ihr psychotischer Eifer sie zu einer Belästigung verführt, beispielsweise zu einer Beleidigung, weiß man sich zu wehren, auch in spontaner Solidarität gegenüber den allzu Aufdringlichen, denen man den Grad ihrer Psychose zumeist zudem vor einer Eskalation ansehen kann. Allgemein dürfen sie ihre Meinung frei äußern, man nimmt sich aber als Wuppertaler Bürger das relativierende Recht der Meinungsfreiheit, ihre Meinung nicht hören zu wollen.

Der Sektierer der SPD, Thilo Sarrazin, hat kürzlich in Begleitung eines Fernsehteams den so genannten Türkenmarkt in Berlin Kreuzberg besucht, um mit den dort heimischen Bürgern seine Thesen zu diskutieren, die wir aus seinem Buch „Deutschland schafft sich ab“ kennen: Intelligenz ist genetisch bedingt, Migranten sind blöder als Teutsche, da sich Migranten auch aufgrund ihres angeborenen Schwachsinns häufiger fortpflanzen als wir Einheimischen, kommt es zu einer zunehmenden Verblödung unserer Gesellschaft. Als Schlussfolgerung aus diesen Erkenntnissen fordert er, unter anderem, eine Gebärprämie für deutsche Akademikerinnen (die das 30. Lebensjahr noch nicht vollendet haben) von ca. 50.000 €, und um keine Mehrkosten für den Staatshaushalt zu verursachen eine gleichzeitige Kürzung des Kindergeldes für die debilen ausländischen Mitbürger. Diese Thesen belegt er mit nachweislich falschen Zahlen aus irrationalen Statisken und durch die Inanspruchnahme von wissenschaftlichen Arbeiten anerkannter Koriphäen, die sich fast ausnahmslos angeekelt eine derartige Interpretation ihrer Arbeiten verbeten haben. Empörung rufen die Irrlehren des Genossen Sarrazin besonders bei intelligenten Frauen hervor: da er eine genetische Ursache für Intelligenz postuliert, und gleichzeitig an anderer Stelle Intelligenz mit Bildung gleichsetzt, rechtfertigt Sarrazin damit die jahrtausendelange Verweigerung des Patriarchats, weiblichen Menschen die gleichen Bildungsmöglichkeiten anzubieten wie den Männern.

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Die Frisur

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Gerade habe ich einmal überlegt, wie lange es wohl schon Autogetriebe geben mag, die mehr als vier Gänge haben, und wie lange Michael Jackson die Musikgeschichte beeinflusst hat und also in allen Schlagzeilen war, und ob es Menschen gibt, die Beides nicht mitbekommen haben über diese geschätzten zwanzig Jahre hinweg…

Kürzlich war Franz Müntefering zu Gast in der Talkshow „Markus Lanz“, und zu diesem Anlass hat er noch einmal mit diesen Wissenslücken geprahlt, die er über Jahrzehnte pflegte. Andere Menschen hätten sich eher dafür geschämt, so etwas zuzugeben, aber ein Politiker, der nach gewonnen Wahlen öffentlich erklärt, es sei ungerecht, nach den Wahlen noch an seinen Wahlversprechungen gemessen zu werden, verfügt natürlich über kein besonders sensibles Schamgefühl. Müntefering hatte schon in einem “Zeit“-Interview zuvor verlautbart, diese genannten Dinge habe ihm seine sehr viel jüngere Ehefrau erläutern müssen, nachdem er selbst seine sämtlichen Machtpositionen abgegeben hatte und nun selbst einen Wagen lenken muss, wenn er sich denn mittels eines Autos fortbewegen will. Ich halte das übrigens für nicht ungefährlich, jemanden zumindest tagsüber bei starkem Verkehr auf öffentlichen Straßen herumirren zu lassen, der mehrere Jahrzehnte viel Zeit in einem Auto verbracht hat, und nie bemerkt hat, dass sein Fahrer öfter mal weiterschaltet über den vierten Gang hinaus.

Natürlich kann man, - laut Selbstaussage, - jahrelang täglich mehrere Zeitungen lesen, ohne mitzubekommen, wer Michael Jackson war, das geht aber eigentlich nur, wenn man sich nicht einmal die Bilder anschaut, wie es wenigstens die Legastheniker und Blöden machen, oder Kinder, sondern die Zeitungen, vielelicht wenigestens sauber gestapelt, mit der Rückseite zuoberst auf seinem Schreibtisch liegen lässt. Und sich die für einen selbst wichtigen Artikel vorlesen lässt, zusammengefasst womöglich, vorzensiert von einem Mitarbeiter, der weiß, was der Chef lesen will und lesen muss, und: was nun einmal nicht. Ist der Mitarbeiter noch Vertreter der Lobby, deren Interessen der Politiker zu vertreten hat, oder entsprechend von dieser instruiert, bleibt dieser Politiker über Jahrzehnte verschont von dem Einbruch bis Terror der Realität in sein Weltbild. Zum Beispiel von der täglichen Lebensrealität der Menschen, die von den eigenen Entscheidungen nicht profitieren, sondern darunter zu leiden haben, oft auch über Jahrzehnte. Der Lebensrealität seines Fahrers, beispielweise, für die er sich jahrzehntelang so wenig bis gar nicht interessiert hat, dass er ihn nie auch nur angesprochen haben kann während der langen Fahrten, weil: Er hat ihn nicht einmal angeschaut während dieser langen Zeit, sonst hätte er bemerken müssen, dass dieser öfter schaltet über die vermuteten vier Gänge hinaus. Wahrscheinlich hat Herr Müntefering die langen Autofahrten genutzt, um die Instruktionen seiner Lobbyisten auswendig zu lernen, und nur kurze Anweisungen an den in seinen Diensten stehenden Pöbel geschnauzt.

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Für jemanden

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von tausendschön

Auf manches kommt man nicht von allein. Ich, zum Beispiel, wäre nie auf die Idee gekommen, Kolumnen zu schreiben. Nicht daß ich das derzeit besonders regelmäßig täte. Dennoch gehört es zu den Tätigkeiten, die ich ganz besonders genieße. Und ich meine, daß das zuvor eine von diesen heimlich schlummenden Fähigkeiten gewesen ist. Genauso wie das Lesen von Texten auf einer Bühne, im Rahmen einer Lesung. Ich hatte mir das gar nicht zugetraut. Es mußte mich schon jemand dorthin komplimentieren. Und heute find ich’s großartig. Wäre ich eigentlich jemals von selbst auf die Idee gekommen, eine Anthologie zu gestalten, Buchcover zu entwerfen und mich mit Verlagsbesitzern zu streiten? Ich fürchte, ein Großteil der Schuld dafür, daß die Jugendanthologie noch nicht erschienen ist, lastet auf meinen Schultern. Es tat einfach zu gut, sich dafür zu engagieren, daß es eine kompromißlos rundum schöne Anthologie wird. Zusammen mit anderen Schreibenden, ja Kolumnisten in meinem Alter, die ich lieb gewonnen habe während der Zusammenarbeit. Und mit denen sich so eine Basis der Zusammenarbeit entwickelt hat, daß wir auf die Idee kamen, gemeinsam einen Blog zu gestalten, auf den ich inzwischen so stolz bin, daß ich manchmal damit angebe. À propos angeben. Auf Bewerbungen macht es sich gut, wenn ich schreibe, daß ich stellvertretende Vorsitzende eines Vereins bin. Und es liest sich nicht nur gut, es fühlt sich auch gut an. Zugegebenermaßen hätte ich mir das allein nicht zugetraut. Aber in einem bekannten Team schon viel eher. Zumal dort meine Kompetenzen ausdrücklich geschätzt werden. Und mein Schreibtalent. Von dem ich mir nicht sicher war, daß ich es besitze, vor Jahren, als ich noch nicht mal Jungautorin des Monats gewesen bin. Ich sag also: Danke! Auch den anderen Teammitgliedern.

Man sollte

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Bremen…

Regelmäßig findet quer durch Europa ein so genanntes Autorennen statt, stinkreiche Frauen und Männer rasen mit ihren Luxusschlitten über normale Autobahnen um die Wette, mitten durch den Berufsverkehr, zum Beispiel, ahnungslose Familien, wieder: zum Beispiel, als Statisten benutzend für diesen versuchten Totschlag. In einem Jahr hat der Bremer Polizeipräsident diese Typen stoppen lassen durch eine Verkehrskontrolle, stundenlang wurden Autos und Personen kontrolliert. Einer der Teilnehmer ging während des Spektakels zu dem die Aktion leitenden Beamten: Was denn die ganze Sache an Bußgeldern kosten würde, man könne ruhig großzügig aufrunden, er würde dann einen Scheck ausstellen, damit man weiterkönne. Der leitende Beamte ließ darufhin die Luxusschlitten abschleppen und sicherstellen. Natürlich hatte jeder der Irren einen Zweitwagen, den man nach Bremen überführen ließ, am nächsten Tag ging der versuchte Mord weiter. Man ist nur so dumm, wie es die Polizei erlaubt.

Ich habe eine Bekannte in Bremen, sie studiert an der dortigen Universität. Neben ihrem Studium arbeitet sie in zwei Nebenjobs, mit dem Resultat, dass sie im Winter ihre Heizung nicht anstellen kann, weil sie nicht genug Geld hat, deren Kosten zu finanzieren, sie trägt im Winter mehrere Kleidungsstücke übereinander, also: in der Wohnung. Nachts geht sie containern, das heißt, sie durchsucht die Abfallcontainer großer Lebensmittelhäuser nach Abfällen, die man noch essen oder trinken kann. Die Kälte und die ungesunde Ernährung, dazu der tägliche Stress durch das Studium und die Nebenjobs haben dieses Jahr zu einer Bronchitis bei ihr geführt, unter der sie lange Zeit litt. Medizinische Versorgung ist in Deutschland auch ein Luxus geworden, den sich nicht jeder leisten kann. Man ist nur so gesund, wie es die Regierung erlaubt.

Bremen…

Dort regiert eine Koalition aus Parteien, die dafür gesorgt haben, dass es solche Zustände in Deutschland wieder gibt: unvorstellbaren Reichtum und eine nicht vorstellbare Armut. Diese Politik wird von der jetzigen Regierung konsequent fortgesezt, Auch in Bremen.

Heute finden dort Wahlen statt, es wird erwartet, dass die derzeit regierende Koalition in ihrem Amt und somit in ihrer Politik bestätigt wird. Eine Besonderheit ist die Art der Wahlberechtigtung in Bremen: zumindest aktiv wahlberechtigt sind dort Bürger ab dem 16. Lebensjahr. Ansonsten ist es eine Wahl wie alle anderen, die dieses Jahr stattfinden wird, der Name der Partei mag wechseln, die die Regierung bildet, die Politik bleibt die gleiche.

Deshalb geht der Lamborghinifahrer nicht zur Wahl: es gewinnen ohnehin seine Marionetten. Und meine Freundin hat keine Zeit für dieses sinnlose Zeremoniell, sie arbeitet auch an einem Sonntag, und sie ruht sich lieber einige Momente aus, als zu Veranstaltungen zu gehen, bei denen sie ohnehin nur veralbert werden soll. Auch die 16jährigen gehen nicht zur Wahl, entweder fährt Vati Porsche, dann gewinnen sie ohnehin, oder Mutti ist alleinerziehend,zum Beispiel, und dann ist ihnen das Schicksal des Frierens, Hungerns und Krankseins auch sicher als Zukunft, wenn sie trotz sozial armer Herkunft das Pech haben, hochintelligent zu sein.

Man sollte…

Ich wünsche Ihnen so gesehen:

Einen schönen Tag.

Hommage an Mutti

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Übrigens habe ich voriges Jahr auch schon eine so genannte Muttertagskolumne geschrieben…Ich hatte mir darin erlaubt, einmal darauf hinzuweisen, wie viele Mütter und Kinder gerade verhungern oder sonstwie getötet werden, während man in der so genannten zivilisierten Welt gerade Mutti zuliebe das zehnte Stück Sahnetorte genießt, und das kam bei meinem Publikum gar nicht so gut an. Da ich nichts so sehr liebe wie mein Publikum… Solche Dinge sagen die Akteure dauernd beim „Musikantenstadl“, den ich gerade schaue, und dann bekommen sie riesigen Applaus dafür, - also diese Typen, die sich nicht schämen, dort aufzutreten. Und „Übrigens“ hat dieser Kanzlerdarsteller immer gesagt, dieser Typ, der jetzt für Putin arbeitet. Sie verstehen meine Mühen, die ich mir um Sie mache… Unterhaltung, Politik und mehr auf engstem Raum.

Nebenbei, Samstagabendunterhaltung: Vor Jahren habe ich einmal eine Sendung geschaut, in der Menschen in absurde Situationen getrieben wurden, damit sich das Publikum vor den Fernsehgeräten an deren Reaktion delektiere. War so eine Sendung für Menschen, deren Art von so genanntem Humor sich unter dem Motto zusammen fassen lässt: Wenn einer aus dem Fenster fällt, ist das lustig, wenn zwei aus dem Fenster fallen sehr lustig. Jedenfalls mussten ahnungslose Passanten in einer Szene einen Fußgängerüberweg überqueren, und in der Mitte des Übergangs wurden bedrohliche Geräusche auf die Ahnungslosen gedonnert, die man beim Überqueren eines Fußgängerüberweges nicht erwartet. Ein startender Düsenjet, Maschinengewehrfeuer, so etwas. Wie zu erwarten war und ist flüchteten die meisten nach einer Schrecksekunde, oder warfen sich auf den Boden, langweilige Reaktionen in einer langweiligen Sendung. Warum ich den Quatsch aber unauslöschlich in meiner Erinnerung behalten habe:

Alle Mütter haben ihre Kinder hinter sich gerissen als Reflex, keine Einzige hat versucht, sich zuerst in Sicherheit zu bringen, keine ist erstarrt vor Schrecken. Um sie zu schützen, vor was auch immer, und eben: Immer.

Natürlich schaue ich nicht jeden Samstag blöde Sendungen, zumeist lese ich in meiner Freizeit anspruchsvolle Bücher, um mich weitertzubilden und aus Leidenschaft. Zum Beispiel: die Werke Nietzsches. Mag man zu ihm stehen, wie man will, immerhin kann man seine Schriften zu jedem Thema zitieren, und dabei jede Meinungsrichtung vertreten, die man mag, war Nietzsche doch immer für und dann irgendwann gegen eine Sache. Und umgekehrt. Ein Irrer, am Schluss. Dessen Rechte an seinem Werk an seine noch beklopptere Schwester gingen, die mit einem völlig Bescheuerten verheiratet war, - ich erspare Ihnen da einmal die Details, oder: Recherchieren Sie das bitte selbst, wie mit Nietzsches Nachlass umgegangen wurde. Seine Mutter hat, notabene, Anmerkungen in seine Schriften gekritzelt, wenn er zum Beispiel von seinem Hass auf die Christen schrieb, Dinge wie: Ja, der arme, arme Junge, nie hat er die Orgelmusik gemocht. Oder sie schrieb: Immer war dem Kind so kalt in Kirche… Frau Nietzsche hat ihren Sohn nicht verstanden, sie hat ihn aber geliebt und versucht zu verstehen, auf ihre Art, als Mutter.

Im Übrigen hieß Nietzsches Mutter Franziska, ein schöner Name. Bestimmt hätte sie ihren Friedrich an einem Fußgängerübergang hinter sich gerissen, wären sie dort in einen akustischen Bombenhagel geraten. Und wie die Mütter aus der dämlichen Sendung hießen weiß ich nicht, aber vielleicht sagen sie irgendwann zu ihren Kindern: Ich verstehe sie nicht, ich liebe sie nur…

Ja.

Jetzt ist der Musikantenstadel zu Ende, endlich, und der Exkanzler arbeitet immer noch für diesen Putin. Und deren Mütter…

Ich wünsche allen Müttern einen wunderschönen Muttertag, - und Ihnen:

Einen schönen Tag.

Folklore

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Paradiesische Zustände herrschen auf dem deutschen Arbeitsmarkt, zumindest in den Unternehmungen des Verbandes, die ein gewisser Herr Kannengießer als dessen Vorsitzdender vertritt. Deshalb dienen die Kundgebungen, beispielsweise des DGB, zum internationalen Arbeiterfeiertag nur der Profilierungssucht einzelner Vertreter dieser Organisationen. So etwas Ähnliches hat er sich tatsächlich nicht entblödet in einem Interview mit der „Bild am Sonntag“ zu behaupten, und die Kundgebungen zu diesem Tag als „Folklore“ zu beschimpfen versucht. Und sie damit unfreiwillig gewürdigt, bedeutet Folklore doch per Definition „Weisheit des Volkes“, „Wissen des Volkes“, und so gesehen… Aber wer will schon von einem Kannengießer gelobt werden. Zumal er, als Zitat leicht verändert für den Zweck dieser Kolumne, ähnlich wie Nietzsche also, Recht hat, aber nie in den Gründen.

Tatsächlich haben die Veranstaltungen des DGB zum Maifeiertag etwas Verlogenes, hat doch auch der DGB stillschweigend geduldet, dass die Regierung Schröder ihre Agenda durchsetzen konnte, und so in der Bundesrepublik Deutschland ein nie dagewesener sozialer Kahlschlag innerhalb des Arbeitsmarktes und vor allem auch außerhalb stattfinden konnte. So gennante Liberalisierung des Zeitarbeitsmarktes, Aufweichungen des Betriebsverfassungsgesetzes, Ausweitungen der Möglichkeit, Arbeitnehmer geringfügig zu beschäftigen auf der einen Seite, Reduzierung sozialer Hilfen für Nichtbeschäftigte unter die Armutsgrenze, dazu eine skandalöse, weil diffamierende, Verfolgungs- und Sanktionierungsbürokratie, die diese Menschen gnadenlos verfolgt, um sie, beispielsweise, zu der Aufnahme von Arbeitsgelegenheiten mit Mehraufwandsentschädigung zu erpressen, wie die Ein-Euro-Jobs offiziell genannt werden. So arbeiten mittlerweile in Deutschland über sechs Millionen Arbeinehmer zu Niedrigstlöhnen, die oft die staatliche Aufstockung erfordern, und unter Beziehern von Sozialleistungen grasieren Phänomene, für deren Existenz wir uns früher geschämt hätten, beispielsweise für die grassierende Kinderarmut in Deutschland. Wobei sich die Gewerkschaften um Menschen ohne Beschäftigung ohnehin nicht zuständig fühlen, als hätten sie die oben genannten Zusammenhänge immer noch nicht erkannt.

Seriöser Widerstand ist von den Gewerkschaften auch in Zukunft nicht zu erwarten, immer mehr verkommen die Gewerkschaften zu einer Organisation, die den Konsens sucht anstatt des Schutzes ihrer Mitglieder. Gezeigt hat sich dies vor allem an der Rolle des DGB während der Weltwirtschaftskrise, als man zu jedem Zugeständnis gegenüber den Arbeitgebern bereit war, angeblich, um Arbeitsplätze zu retten. Genutzt haben die Arbeitgeber diese Chance natürlich zu einer weiteren Verschlechterung der Bedingungen der Arbeitnehmer auf dem Arbeitsmarkt. So sind die nach der Krise entstandenen und als Folge eines Konjukturanstieges auch neu geschaffenen Arbeitsplätze zumeist prekäre Beschäftigungsverhältnisse, in denen die Arbeitnehmer skrupellos ausgebeutet werden. Während die Unternehmensgewinne (und Managergehälter) explodieren, sinken die Realeinkünfte der Mitarbeiter beständig, eine Entwicklung, der der DGB tatenlos zusieht. Früher, im Anfang der Geschichte der Bundesrepublik, haben die Gewerkschaften mutig dafür gekämpft, dass die finazielle und soziale Lage der Arbeitnehmer sich proportional oder zumindest adäquat zum allgemein wachsenden Wohlstand entwickelte, heute unterstützt man einen Untergang der Gesellschaft in einen reichen und armen Teil, indem man den Auswirkungen den Folgen des so genannten Neoliberalismus wie eine Naturkatastrophe als Ereignis verfolgt. Als Zuschauer.

Oder als Redner auf einer Maikundgebung. Markige Worte werden heute zu hören zu sein, glaubt man den Ankündigungen in der Presse, sie werden nur keinerlei Konsequenzen haben. Keine Folklore, ein Musikantenstadel wird aufgeführt werden, bei dem zudem ganz Andere die Regie führen, als die Schnulzensänger des DGB weißmachen wollen. So gesehen hat Kannengießer Recht, wenn er vom „Blenden“ spricht, und ich wünsche Ihnen sehr, dass Sie sich von dem Schabernack, der da heute aufgeführt wird, nicht beeindrucken lassen oder gar zum Mittäter oder Statisten machen lassen in diesem Schmierentheater. Genießen Sie lieber den hoffentlich auch für Sie arbeitsfreien Tag als Pause vor dem Terror, der Sie nächste Woche an Ihrem Arbeitsplatz oder auf der Geschäftstelle der ARGE erwartet, mit Ihren Lieben, und freuen Sie sich auch sonst auf:

Einen guten Tag.

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