Solche Scheißgedichte kann doch jeder Idiot schreiben.

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Dreiteilige Teamkolumne zum Thema: Von den Gründen zu schreiben

Zweiter Teil:

Hinweis: Liebe Leser, herzlich willkommen im Jahr 2012. Diese mehrteilige Kolumne ist eine Gemeinschaftsproduktion der Autoren modedroge, tausendschön, wupperzeit, Fremdkoerper, MagunSimurgh und bookishasearlgrey.

“der Schriftsteller scheut sich vor Gefühlen, die sich zur Veröffentlichung nicht eignen; er wartet dann auf seine Ironie; seine Wahrnehmungen unterwirft er der Frage, ob sie beschreibenswert wären, und er erlebt ungern, was er keinesfalls in Worte bringen kann. Diese Berufskrankheit des Schriftstellers macht manchen zum Trinker.”

Max Frisch: Montauk.”

Das Schreiben aus Bescheidenheit und Klugheit der eigenen Gedanken, das finden wir durchaus auch ehrenwert. Und doch: Manchmal schreibt man aus purem Eigennutz, weil man gar nicht wohin weiß mit seinen Gefühlen, oder um eine Wette zu gewinnen, oder um reich und berühmt zu werden, oder alles zusammen. Im besten Fall geschieht es in dieser Reihenfolge: Man gewinnt eine Wette um viel Geld, gründet mit dem Erlös einen eigenen Verlag, bringt dann durch rücksichtslose Guerilla-PR die eigenen Meisterwerke unters Volk, und kann es sich leisten, eine dekadente Dichterexistenz zu werden.
Doch was, wenn man sich für einen Schreibwerker ohne Meister hält? Im schlimmsten Fall ist man ein kompensatorischer Narzisst, im besten ein Autor, der sich nicht zutraut, einer zu sein.

wupperzeit:

Ich war viel zu lange nur Leser, um heute noch ein Autorenleben führen zu können, das meinen eigenen Ansprüchen an diese Berufung genügen könnte: Ich habe erst im Alter von 42 Jahren begonnen zu schreiben. Es ging um eine Wette: Ein Freund schickte mir eine Zeit lang grauenhafte Gedichte eines Bekannten, und nachdem meine dezenten Hinweise auf die meiner Meinung nach fehlende Qualität dieser Texte, - sehr nett, ja, übrigens regnet es hier schon wieder, - an dieser Zusendung nichts änderten, schnauzte ich ihn eines Tages an: Solche Scheißgedichte kann jeder Idiot schreiben. Und er: Du nicht. Und ich: 50 in einer Stunde…So fing das an. Nachdem mein Freund die Texte gelesen hatte, knurrte er: Aber mein Bekannter stellt sich der Kritik in Literaturforen, seine Texte finden dort zahlreiche und positive Resonanz…Und so kam ich zu den „Textdieben“ und kurze Zeit später zu KV.

Wenn man so spät beginnt zu schreiben, und aus derart profanen Gründen, fehlt einem natürlich die Disposition des Autoren, man hat sie nicht entwickeln, nicht sozialisieren können, es fehlt also die Gestaltung des Alltags durch die Literatur. Dem Autoren wird alles zur Literatur, reizüberflutet auf das Ziel hin, eine Begebenheit, ein Ereignis, eine Empfindung, einen Gedanken zu gestalten als Text, lebt er anders als der Leser, der auf das Ergebnis dieser Suche wartet, um diese Phänomene der Empfindsamkeit teilen zu dürfen am Schluss, um am Ende der Einsamkeit der Gedanken und Gefühle zu entkommen für einen Moment in der Begegnung durch die Literatur. So das Ideal der Beziehung zwischen Leser und Autoren.

Warum ich schreibe…Um einen gelegentlichen Besuch zu machen in einem Autorenleben, als Leser, und um gelegentlich einen Leser zu besuchen, als Autor: um am Ende eine Anekdote erzählen zu dürfen von einer Wette, die ich gewonnen habe am Schluss: als lesender Autor und schreibender Leser.

bookishasearlgrey:

Warum ich begonnen habe zu schreiben, ist wie fast alles in meiner Biographie eine Legende der Geltungssucht, Unentschlossenheit und Egomanie.
Die Geschichte des Schreibens beginnt 1996, als ich 8 Jahre alt war. Ein Mädchen in meiner Grundschulklasse brachte einen Text mit in die Schule. Er war schreibmaschinengetippt und mit einer Zeichnung verziert. Der Inhalt ist und bleibt mir unbekannt. Ich kann mich aber sehr wohl noch an das stolze Lächeln erinnern, mit dem die Lehrerin den Text nach der Lektüre dem Mädchen zurückgab, mit dem Worten: „Wir haben eine Schriftstellerin unter uns!“ Das Wort Schriftstellerin hörte ich zum zweiten Mal im Leben (nach My Girl II).
Aus Neid und Ruhmsucht also, und da ich ohnehin nicht wusste, was ich werden sollte, beschloss ich sofort Schriftstellerin zu werden. Als erster Schritt für meine literarische Feldübernahme wurden meine Aufsätze so schön, dass die selbe Lehrerin sie als geeignet zum Abdruck für das Lesebuch erklärte und besagtes Mädchen seinerseits habe ich nie wieder durch literarische Leistungen heraus stechen sehen. Der zweite folgte zugleich: Ich schrieb Theaterstücke, bei denen ich mit weichen Bleistiften fest aufs Papier drückte, um den Eindruck zu erwecken, meine frische Dramatik sei bereits gedruckt. Leider glaubte mir das in der Märchenspielgruppe keiner.
Heute habe ich mir zur selbstwärts gewandten Prätentiösität eine andere Methode gewählt: Ich publiziere vor allem digital. Da wird mir diese Aufgabe von der Tastatur abgenommen, das ist weniger anstrengend. Aber das lebhafte Erzählen von damals ist einer Befindlichkeitslyrik und Prosaerei gewichen, für die ich mich bisweilen schäme, und die das Volumen einer wahrscheinlich bereits schon sehr lange in mir nagenden Stimme , die kürzlich in Gestalt einer Freundin erklang, stetig steigert: „Was berechtigt eigentlich mich dazu, zu schreiben?“
So, wie ich es jetzt tue, meist über Herz zu Kopf zu Fingern, ohne nochmaliges Durchlesen, das begann selbst innen ziel-, gedanken und berechtigungslos. Das begann als Aufarbeitung eines Herzschmerzes, der, um den Kreis zu schließen, wahrscheinlich die Kehrseite von meinem Egoismus, meiner Unentschlossenheit und Geltungssucht darstellt. Und ehe ich in die Stille schreie, bleibe ich lieber (un-)eigennützig und lass die Egomedaille fröhlich kreiseln:
„Und als ich euch meine Schmerzen geklagt,
Da habt ihr gegähnt und nichts gesagt;
Doch als ich sie zierlich in Verse gebracht,
Da habt ihr mir große Elogen gemacht.“

(Heinrich Heine: XXXIV)

So endet dieser Teil unserer Kolumne wie er begann, mit einem Zitat und der simplen Erkenntnis, dass Schreiben eine Kommunikationsform sein kann, mit anderen, damit sie dem eigenen Schmerz Beachtung schenken und auch mit sich selbst.

Schreiben als Kommunikation? Mehr dazu im letzten Teil unseres Jahresauftakts. Lesen Sie bitte auch den ersten Teil der Kolumnenfolge.

Geschenke

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Gestern habe ich es endlich geschafft, alle Weihnachtsgeschenke einzukaufen, mit denen ich meine Lieben und vielleicht: Sie zu beschenken gedenke; - ich war spät dran, als eher nervöser Mensch hat mich das ein wenig beunruhigt, falls Sie mir diese persönliche Äußerung über einen überlebten Zustand erlauben:

Ich verschenke seit einigen Jahren Bücher zu Weihnachten, und man kann an dem gewählten Buch ungefähr ablesen, wie ich den intellektuellen und kulturellen Zustand des Beschenkten beurteile, es gibt da eine Skala von Ratgeberbüchlein bis zu Gedichten von Dylan Thomas, beispielsweise. Es gibt eben, Gott sei Dank, gute und schlechte Freunde, und ebenso, Gott sei Dank, gute und schlechte Bücher.

Selbst publiziere ich ja nur im Internet, ein Internetautor, oder: ein digital author, wie mich eine Freundin (Geschenk dieses Jahr: Mankell, Skalawert: oberes Mittelfeld) ein wenig spöttisch und abwertend zu nennen pflegt. In der internen Hierarchie der Autoren stehe ich damit ganz unten, noch unter den Verfassern von Ratgeberbüchlein, denn die wurden ja gedruckt von irgendjemandem, und dieses „gedruckt worden (zu) sein“ ist das Maß aller Dinge im so genannten Kulturbetrieb, wie ein Stern auf der Motorhaube. Ob die Motorhaube verrostet, zerbeult oder einfach nur hässlich, weil, zum Beispiel: protzig ist, ist unerheblich, es kommt auf den Stern darauf an.

Für den Buchmarkt selbst sieht es momentan ähnlich düster aus wie für die Autoindustrie, und die Gründe für diese Krise sind wohl die selben: Man hat zu viel produziert, und zu vieles an den Bedürfnissen der Kunden vorbei produziert. Wir leben in einer schnellen und schnelllebigen Zeit, man mag das bedauern, aber für viele Bedürfnisse und Erfordernisse des normalen Alltages sind Bücher einfach zu langsam, zu unkomfortabel in der Handhabung, beispielsweise bei einer Recherche. Eine Recherche im Netz dauert Minuten, die Ergebnisse sind aktuell, wer schlägt da noch lange in Lexika nach? Außerdem ist dem Buchmarkt ein wichtiger Kundenkreis weggebrochen, das so genannte Bildungsbürgertum wurde ersetzt mit der Zeit durch das Besitzbürgertum, und letzteres liest keine Bücher. Nur diese Ratgeber- und Küchenpsychologiebüchlein, und davon können Verlage nicht dauerhaft existieren. Die Flut der anderen Bücher, mit denen der Markt ständig überflutet wird, bleiben unverkauft und ungelesen. Und das noch dazu oft zu Recht.

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Manieren und Zentralverriegelung

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Zuerst wollte ich heute über einen abgehalfterten Politiker schreiben, den man aus einer noch abgehalfterten Partei hinauswerfen wollte, nur weil er empfohlen hat, diese Partei nicht mehr zu wählen, also eine Selbstverständlichkeit ausgesprochen hat, wenn auch nicht als mündiger Bürger, sondern als Vertreter der Energiewirtschaft, aber immerhin. Ein eher lokalpolitisches Thema, aber welches politische Thema ist nicht in der Konsequenz als lokal zu bezeichnen… Nur hätte ich dann im Laufe der Kolumne etwas vergessen (müssen), nämlich meine Manieren, und so, zur Erinnerung an Manieren und Höflichtkeit auch als Vorsichtsmaßnahme:

Es geht doch nicht ohne gewisse Umgangsformen im menschlichen Miteinander, sonst gibt es zumindestens moralischen Mord-und Totschlag überall, und warum diese Umgangsformen dann nicht gleich ein wenig verfeinern. Es hat sich fast überall herumgesprochen, dass man nicht von seinem Wohnzimmerfenster aus auf seine Mitmenschen schießen darf, und von der Akzeptanz dieser auch, bei Nichteinhaltung, sanktionierten Vorschrift bis zum Aufstehen für die gebrechliche Omama im Bus ist es nur ein kleiner Schritt. Es geht um Respekt voreinander, es geht um gegenseitigen Schutz, und ist man dazu nicht aus allgemeiner Nächstenliebe bereit, so vielleicht aus Eigennutz: Man möchte ja selbst auch nicht abgeknallt werden auf offener Straße und auch Busfahren dürfen, wenn man selbst alt wird, geworden ist.

Wir leben im Zeitalter der Distanzlosigkeit, der Vereinnahmung durch Gruppen und durch einzelne Mitmenschen, wer heute nicht jeden spontan, symbolisch gesprochen, umarmt, gilt als Soziopath, das schafft aber eine latente Aggressivität, die Gruppen oder Beziehungen sind nur wenig harmonisch in sich, sehr fragil also, da sie als Gemeinsamkeit nur die bloße Gruppenzugehörigkeit haben, ihnen fehlt das Schopenhauersche „Medium an Weltinteressen“, und wo wir schon einmal bei Schopenhauer sind in dieser Bildungskolumne: Schopenhauer hat den Sinn von Anstand und Moral am Beispiel einer Gesellschaft von Stachelschweinen erläutert, sie brauchen die gegenseitige Wärme, aber die Stacheln verhindern eine tatsächliche Nähe, den Abstand, den sie als erträglich empfinden, nennen sie Anstand und Moral. Man liebt also die Omi nicht, für die man im Bus aufsteht, man behandelt sie nur anständig, mit Respekt. Gegenseitige Wärme auf Distanz… Höflichkeit…Und die sollte man gerade bei den Menschen pflegen, die man besonders lieb hat, so bleibt diese Wärme auch im Alltag nach der Liebe ein wenig erhalten.

Übertriebene Manieren wirken sicherlich affektiert, der „Diener“ des Herren oder der „Knicks“ der Damen sind zu Recht Relikte aus einer ebenso zu Recht vergangenen Zeit, aber mir gefällt es, wenn man Damen nicht die Türe vor den Kopf schlägt, wenn man ein, beispielsweise, Restaurant betritt, oder sich erst setzt, wenn die Dame sitzt. Sich kurz erhebt, wenn man als Sitzender von einem Stehenden begrüßt wird, und auch ein Grundmaß an Tischmanieren hat. Kürzlich war eine junge Dame ganz erstaunt, dass ich ihr beim Verlassen eines Restaurants in den Mantel geholfen habe, es war das erste Mal in ihrem fünfundzwanzigjährigem Leben, und auch ihr sonstiger Umgang besteht eigentlich nicht nur aus Proleten. Die Emanzen werden jetzt ihre Stirne in Falten ziehen, natürlich können sie einen Mantel alleine anziehen, aber wenn die Emanzipation nur in der Abschaffung respektvoller Gesten besteht, dann brauchen wir das Ding aber überhaupt nicht. Besteht sie ja auch nicht. Was ich auch schätze: Wenn man sich bedankt für einen erwiesenen Gefallen, und das muss nicht formvollendet sein, ich erhielt einmal eine Mail einer KV-Kollegin, sie bestand nur aus einem Satz: „Du bist eine coole Sau. Danke.“, und darüber habe ich mich sehr gefreut. Ein Zeichen von schlechten Manieren ist es auch, aus Mails zu zitieren, übrigens, überhaupt, diese „unmanierliche Klatschsucht“, wie es einmal genannt wurde, zeugt von ganz schlechtem Benehmen.

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Sonderangebote

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Gelegentlich weiß man gar nicht so recht, was man sich so zu essen kochen soll, beispielsweise zum Abendbrot, unschlüssig schlendert man durch den Supermarkt, appetitlos, und schließlich kauft man das Sonderangebot, weil es im Grunde genommen egal ist, was man kauft, so ist es wenigstens billig Irgendetwas muss man essen, irgendwann, warum nicht das Billige sofort.

In Deutschland sinkt die Wahlbeteiligung ständig, bei der letzten Bundestagswahl lag sie unter 80 %, bei Kommunal- und Landtagswahlen liegt sie zwischen 55- und 65 %, bei Europawahlen noch darunter. Tendenz fallend, und obwohl das keine spektakulär schlechten Ergebnisse sind im Vergleich zum demokratischen Ausland, sollte man diese Entwicklung ernst nehmen oder sich zumindest darüber wundern. Dürfen.

Schließlich ist die Beteiligung an einer Wahl für die meisten von uns die einzige Möglichkeit, sich politisch zu äußern und vielleicht sogar: zu gestalten, sollte die von uns gewählte Partei einen Platz im Parlament erhalten. Der Ausgang einer Wahl betrifft oder trifft uns alle, im Kleinen wie im Großen: vom Platz im Kindergarten bis hin zu wie auch immer gearteten und begründeten Beteiligungen an Kriegen. Lokalpolitik und Weltpolitik. Man sollte dazu eine Meinung haben, und dann auch wollen, dass diese Meinung demokratisch durchgesetzt wird. Sonst wird für einen entschieden, und das heißt: über einen, und ganz selten werden da die eignen Interessen berücksichtigt werden. Zumal sie niemand kennt.

Begründet wird die fallende Wahlbeteiligung oft mit einer allgemeinen Politikverdrossenheit, oder Politikerverdrossenheit, man fühlt sich dieser Kaste hilflos ausgeliefert. Nur ist es in einer Demokratie so, dass die Politiker immer so mächtig sind, wie es die Mehrheit der Bevölkerung zulässt, und die einzige Möglichkeit, deren Macht zu regulieren, ist der Moment der Wahl, will man sich nicht selbst politisch engagieren durch Übernahme eines Mandates. Wählen Sie die Typen ab, wenn Sie Ihnen nicht gefallen, sie werden mächtiger mit jedem, der nicht wählt. Politiker sei ein schöner Beruf, so kürzlich ein bekannter SPD-Europaabgeordneter, wenn nur die Wahlen nicht wären, er meinte das völlig unironisch in einem seltenen Moment der Wahrheitsliebe, vermutlich.

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Grasobern

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Schade eigentlich, dass eine gute alte Tradition auszusterben droht, die in meiner Jugend sehr gepflegt wurde, die so genannten Spieleabende. Man lud sich ein paar Freunde ein in seine Wohnung, stellte ein paar Getränke und Snacks zur Verfügung, und spielte dann einen Abend lang ein bestimmtes Gesellschaftsspiel nach vorhergehender Absprache oder spontaner Lust und Laune. Oft wurden diese Abende regelmäßig veranstaltet, zum Beispiel an jedem ersten Sonntag eines Monats. Diese Treffen galten der Pflege und Stärkung der jeweiligen Gemeinschaft, die man sich da eingeladen hatte, der Vertreibung drohender Langeweile an zumeist doch eher öde verlebten Sonntagen, und sie bereiteten oft etwas, was man als Intellektueller ansonsten scheut wie ein Blöder das Denken: Freude.

Gelegentlich haben wir „Grasobern“ gespielt, ein Kartenspiel mit zutiefst bayerischer Tradition, bei dem es, grob gesagt, darum geht, zu vermeiden,den ersten bzw. letzten Stich einer Spielrunde als Spieler zu machen oder zu erhalten. Gespielt wird mit den so genannten „bayerischen Karten“, mit vier Spielern, die gegeneinander spielen, normalerweise. Ausnahmen bilden die Varianten des „Bettelns“, das ausgerufen wird, wenn ein Spieler glaubt, keinen einzigen Stich während der Runde erzilen zu können, oder die des „Schleichens“, das ein Spieler ansagt, wenn er glaubt, alle Stiche eines Spieles zu erhalten. Eine weitere Variante des Ablaufes ist das „Rufmorden“: ein Spieler tauscht eine Karte seines Blattes und spielt von da an gegen alle Mitspieler alleine.

Man kann sehr viel lernen über den Charakter eines Menschen, wenn man mit ihr oder ihm einmal (beispielsweise: Karten) spielt. Ich selbst spiele am liebsten mit Menschen ohne besonderen Ehrgeiz, was das Gewinnen betrifft, die aus der Freude am Spiel selbst trotzdem zu gewinnen versuchen, aber es nicht als persönliche Lebenskrise werten, wenn sie einmal eine Runde oder einen ganzen Abend lang verlieren, und sich im Gegenteil freuen, wenn jemand mit mehr Glück oder Geschick gewinnt. Sie sind zumeist auch im allgemeinen Umgang angenehme Menschen, selbstbewusst, ehrlich und treu in ihrem Charakter, Menschen, die ich gerne zu meinen Freunden zähle. In Grasoberrunden spielen sie alle Varianten des Spieles gleich gerne und gut.

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Obwohl…Nun ja.

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Sie sind Deutschlands beliebteste Showmasterin, wie konnte das denn passieren, - so ähnlich begann vor Jahrzehnten einmal ein Spiegel-Interview mit einer Dame, deren Name heute zu Recht niemandem etwas mehr sagen würde, wahrscheinlich. Der, laut ZDF-Politbarometer, zur Zeit beliebteste Politiker Deutschlands ist ein gewisser Peer Steinbrück, und ich frage mich…Aber ich frage mich auch wieder nicht, wie das passieren konnte.

Bekannt geworden ist Herr Steinbrück nach mehreren Stationen im eher zweiten politischen Glied als Ministerpräsident Nordrhein Westfalens, ein Amt, für das er sich in seiner Zeit als Finanzminister unter anderem dieses Bundeslandes qualifiziert hatte: zwei Mal wurden die von ihm für NRW eingereichten Haushalte als verfassungswidrig beurteilt vom zuständigen Landesverfassungsgericht. Nachdem seine SPD und er im Jahre 2005 nach dreijähriger Amtszeit die Landtagswahlen spektakulär verloren hatten, wurde Herr Steinbrück zum Finanzminister im Kabinett Merkel/Steinmeier ernannt: eine gute alte Tradition der SPD, abgehalfterte Ministerpräsidenten zu Ministern zu ernennen, und damit zu zeigen, wie hoch man dort ein Ministeramt bewertet: wenn die Bevölkerung von diesen zumeist Herren aus oft guten Gründen nicht mehr in verantwortlicher Position vertreten werden will, werden sie zu Ministern ernannt: Eichel, Climmt, und wie sie alle geheißen haben.

Fast schon bemitleidenswert ahnungslos beurteilte Herr Steinbrück die längst vom letzten Trottel wahrgenommene Weltfinanzkrise (Beginn ca. 2007) noch spät im Jahre 2008 als beispielsweise unbedeutend für das deutsche Bankenwesen, um dann hektisch Milliarden in dessen Rettung pumpen zu lassen als scheinbar einzige Möglichkeit einer Stabilisierung des Finanzmarktes. Ein eher politisches Desaster richtete dieser Herr an, als er im Rahmen der Diskussionen um das Bankgeheimnis in den Nachbarländern, etwa in der Schweiz oder in Luxemburg, Ausdrücke zur Verdeutlichung seiner Position wählte, die in den genannten Nachbarländern Erinnerungen an das Nazimördervokabular weckten. Wobei seine völlig unangemessene Wortwahl zu Recht als „aus niedrigen Instinkten oder aus Wahl-Zwecken“ gegröhlt erkannt wurden, wie es der damalige Österreichische Finanzminister formulierte: während der gesamten dreijährigen Amtszeit Herrn Steinbrücks gab es nur ein einziges Amtshilfeersuchen wegen vermuteter Steuerhinterziehung des zuständigen Finanzamtes an die Schweiz. Das in Folge dieser Debatte im Jahre 2009 verabschiedete Gesetz wird bis heute nicht angewendet.

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Ravi Wuppertal

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Es regnet schon wieder in Wuppertal, Wuppertal ist die Stadt mit dem höchsten Jahresniederschlag Deutschlands, vierhundert Regentage im Jahr, außerdem gibt es bei uns die berühmte Schwebebahn und die höchste Sektendichte Deutschlands, prozentual je Einwohner gerechnet. Regen, Schwebebahn, Spinner, dafür sind wir berühmt. Wir Wuppertaler haben gelernt, mit dem Regen zu leben, die Schwebahn intelligent zu nutzen, und die Sektierer zu ignorieren. Man geht an ihnen vorbei, wortlos, und falls ihr psychotischer Eifer sie zu einer Belästigung verführt, beispielsweise zu einer Beleidigung, weiß man sich zu wehren, auch in spontaner Solidarität gegenüber den allzu Aufdringlichen, denen man den Grad ihrer Psychose zumeist zudem vor einer Eskalation ansehen kann. Allgemein dürfen sie ihre Meinung frei äußern, man nimmt sich aber als Wuppertaler Bürger das relativierende Recht der Meinungsfreiheit, ihre Meinung nicht hören zu wollen.

Der Sektierer der SPD, Thilo Sarrazin, hat kürzlich in Begleitung eines Fernsehteams den so genannten Türkenmarkt in Berlin Kreuzberg besucht, um mit den dort heimischen Bürgern seine Thesen zu diskutieren, die wir aus seinem Buch „Deutschland schafft sich ab“ kennen: Intelligenz ist genetisch bedingt, Migranten sind blöder als Teutsche, da sich Migranten auch aufgrund ihres angeborenen Schwachsinns häufiger fortpflanzen als wir Einheimischen, kommt es zu einer zunehmenden Verblödung unserer Gesellschaft. Als Schlussfolgerung aus diesen Erkenntnissen fordert er, unter anderem, eine Gebärprämie für deutsche Akademikerinnen (die das 30. Lebensjahr noch nicht vollendet haben) von ca. 50.000 €, und um keine Mehrkosten für den Staatshaushalt zu verursachen eine gleichzeitige Kürzung des Kindergeldes für die debilen ausländischen Mitbürger. Diese Thesen belegt er mit nachweislich falschen Zahlen aus irrationalen Statisken und durch die Inanspruchnahme von wissenschaftlichen Arbeiten anerkannter Koriphäen, die sich fast ausnahmslos angeekelt eine derartige Interpretation ihrer Arbeiten verbeten haben. Empörung rufen die Irrlehren des Genossen Sarrazin besonders bei intelligenten Frauen hervor: da er eine genetische Ursache für Intelligenz postuliert, und gleichzeitig an anderer Stelle Intelligenz mit Bildung gleichsetzt, rechtfertigt Sarrazin damit die jahrtausendelange Verweigerung des Patriarchats, weiblichen Menschen die gleichen Bildungsmöglichkeiten anzubieten wie den Männern.

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