Geschenke

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Gestern habe ich es endlich geschafft, alle Weihnachtsgeschenke einzukaufen, mit denen ich meine Lieben und vielleicht: Sie zu beschenken gedenke; - ich war spät dran, als eher nervöser Mensch hat mich das ein wenig beunruhigt, falls Sie mir diese persönliche Äußerung über einen überlebten Zustand erlauben:

Ich verschenke seit einigen Jahren Bücher zu Weihnachten, und man kann an dem gewählten Buch ungefähr ablesen, wie ich den intellektuellen und kulturellen Zustand des Beschenkten beurteile, es gibt da eine Skala von Ratgeberbüchlein bis zu Gedichten von Dylan Thomas, beispielsweise. Es gibt eben, Gott sei Dank, gute und schlechte Freunde, und ebenso, Gott sei Dank, gute und schlechte Bücher.

Selbst publiziere ich ja nur im Internet, ein Internetautor, oder: ein digital author, wie mich eine Freundin (Geschenk dieses Jahr: Mankell, Skalawert: oberes Mittelfeld) ein wenig spöttisch und abwertend zu nennen pflegt. In der internen Hierarchie der Autoren stehe ich damit ganz unten, noch unter den Verfassern von Ratgeberbüchlein, denn die wurden ja gedruckt von irgendjemandem, und dieses „gedruckt worden (zu) sein“ ist das Maß aller Dinge im so genannten Kulturbetrieb, wie ein Stern auf der Motorhaube. Ob die Motorhaube verrostet, zerbeult oder einfach nur hässlich, weil, zum Beispiel: protzig ist, ist unerheblich, es kommt auf den Stern darauf an.

Für den Buchmarkt selbst sieht es momentan ähnlich düster aus wie für die Autoindustrie, und die Gründe für diese Krise sind wohl die selben: Man hat zu viel produziert, und zu vieles an den Bedürfnissen der Kunden vorbei produziert. Wir leben in einer schnellen und schnelllebigen Zeit, man mag das bedauern, aber für viele Bedürfnisse und Erfordernisse des normalen Alltages sind Bücher einfach zu langsam, zu unkomfortabel in der Handhabung, beispielsweise bei einer Recherche. Eine Recherche im Netz dauert Minuten, die Ergebnisse sind aktuell, wer schlägt da noch lange in Lexika nach? Außerdem ist dem Buchmarkt ein wichtiger Kundenkreis weggebrochen, das so genannte Bildungsbürgertum wurde ersetzt mit der Zeit durch das Besitzbürgertum, und letzteres liest keine Bücher. Nur diese Ratgeber- und Küchenpsychologiebüchlein, und davon können Verlage nicht dauerhaft existieren. Die Flut der anderen Bücher, mit denen der Markt ständig überflutet wird, bleiben unverkauft und ungelesen. Und das noch dazu oft zu Recht.

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