Hommage an Mutti

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Übrigens habe ich voriges Jahr auch schon eine so genannte Muttertagskolumne geschrieben…Ich hatte mir darin erlaubt, einmal darauf hinzuweisen, wie viele Mütter und Kinder gerade verhungern oder sonstwie getötet werden, während man in der so genannten zivilisierten Welt gerade Mutti zuliebe das zehnte Stück Sahnetorte genießt, und das kam bei meinem Publikum gar nicht so gut an. Da ich nichts so sehr liebe wie mein Publikum… Solche Dinge sagen die Akteure dauernd beim „Musikantenstadl“, den ich gerade schaue, und dann bekommen sie riesigen Applaus dafür, - also diese Typen, die sich nicht schämen, dort aufzutreten. Und „Übrigens“ hat dieser Kanzlerdarsteller immer gesagt, dieser Typ, der jetzt für Putin arbeitet. Sie verstehen meine Mühen, die ich mir um Sie mache… Unterhaltung, Politik und mehr auf engstem Raum.

Nebenbei, Samstagabendunterhaltung: Vor Jahren habe ich einmal eine Sendung geschaut, in der Menschen in absurde Situationen getrieben wurden, damit sich das Publikum vor den Fernsehgeräten an deren Reaktion delektiere. War so eine Sendung für Menschen, deren Art von so genanntem Humor sich unter dem Motto zusammen fassen lässt: Wenn einer aus dem Fenster fällt, ist das lustig, wenn zwei aus dem Fenster fallen sehr lustig. Jedenfalls mussten ahnungslose Passanten in einer Szene einen Fußgängerüberweg überqueren, und in der Mitte des Übergangs wurden bedrohliche Geräusche auf die Ahnungslosen gedonnert, die man beim Überqueren eines Fußgängerüberweges nicht erwartet. Ein startender Düsenjet, Maschinengewehrfeuer, so etwas. Wie zu erwarten war und ist flüchteten die meisten nach einer Schrecksekunde, oder warfen sich auf den Boden, langweilige Reaktionen in einer langweiligen Sendung. Warum ich den Quatsch aber unauslöschlich in meiner Erinnerung behalten habe:

Alle Mütter haben ihre Kinder hinter sich gerissen als Reflex, keine Einzige hat versucht, sich zuerst in Sicherheit zu bringen, keine ist erstarrt vor Schrecken. Um sie zu schützen, vor was auch immer, und eben: Immer.

Natürlich schaue ich nicht jeden Samstag blöde Sendungen, zumeist lese ich in meiner Freizeit anspruchsvolle Bücher, um mich weitertzubilden und aus Leidenschaft. Zum Beispiel: die Werke Nietzsches. Mag man zu ihm stehen, wie man will, immerhin kann man seine Schriften zu jedem Thema zitieren, und dabei jede Meinungsrichtung vertreten, die man mag, war Nietzsche doch immer für und dann irgendwann gegen eine Sache. Und umgekehrt. Ein Irrer, am Schluss. Dessen Rechte an seinem Werk an seine noch beklopptere Schwester gingen, die mit einem völlig Bescheuerten verheiratet war, - ich erspare Ihnen da einmal die Details, oder: Recherchieren Sie das bitte selbst, wie mit Nietzsches Nachlass umgegangen wurde. Seine Mutter hat, notabene, Anmerkungen in seine Schriften gekritzelt, wenn er zum Beispiel von seinem Hass auf die Christen schrieb, Dinge wie: Ja, der arme, arme Junge, nie hat er die Orgelmusik gemocht. Oder sie schrieb: Immer war dem Kind so kalt in Kirche… Frau Nietzsche hat ihren Sohn nicht verstanden, sie hat ihn aber geliebt und versucht zu verstehen, auf ihre Art, als Mutter.

Im Übrigen hieß Nietzsches Mutter Franziska, ein schöner Name. Bestimmt hätte sie ihren Friedrich an einem Fußgängerübergang hinter sich gerissen, wären sie dort in einen akustischen Bombenhagel geraten. Und wie die Mütter aus der dämlichen Sendung hießen weiß ich nicht, aber vielleicht sagen sie irgendwann zu ihren Kindern: Ich verstehe sie nicht, ich liebe sie nur…

Ja.

Jetzt ist der Musikantenstadel zu Ende, endlich, und der Exkanzler arbeitet immer noch für diesen Putin. Und deren Mütter…

Ich wünsche allen Müttern einen wunderschönen Muttertag, - und Ihnen:

Einen schönen Tag.

Folklore

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Paradiesische Zustände herrschen auf dem deutschen Arbeitsmarkt, zumindest in den Unternehmungen des Verbandes, die ein gewisser Herr Kannengießer als dessen Vorsitzdender vertritt. Deshalb dienen die Kundgebungen, beispielsweise des DGB, zum internationalen Arbeiterfeiertag nur der Profilierungssucht einzelner Vertreter dieser Organisationen. So etwas Ähnliches hat er sich tatsächlich nicht entblödet in einem Interview mit der „Bild am Sonntag“ zu behaupten, und die Kundgebungen zu diesem Tag als „Folklore“ zu beschimpfen versucht. Und sie damit unfreiwillig gewürdigt, bedeutet Folklore doch per Definition „Weisheit des Volkes“, „Wissen des Volkes“, und so gesehen… Aber wer will schon von einem Kannengießer gelobt werden. Zumal er, als Zitat leicht verändert für den Zweck dieser Kolumne, ähnlich wie Nietzsche also, Recht hat, aber nie in den Gründen.

Tatsächlich haben die Veranstaltungen des DGB zum Maifeiertag etwas Verlogenes, hat doch auch der DGB stillschweigend geduldet, dass die Regierung Schröder ihre Agenda durchsetzen konnte, und so in der Bundesrepublik Deutschland ein nie dagewesener sozialer Kahlschlag innerhalb des Arbeitsmarktes und vor allem auch außerhalb stattfinden konnte. So gennante Liberalisierung des Zeitarbeitsmarktes, Aufweichungen des Betriebsverfassungsgesetzes, Ausweitungen der Möglichkeit, Arbeitnehmer geringfügig zu beschäftigen auf der einen Seite, Reduzierung sozialer Hilfen für Nichtbeschäftigte unter die Armutsgrenze, dazu eine skandalöse, weil diffamierende, Verfolgungs- und Sanktionierungsbürokratie, die diese Menschen gnadenlos verfolgt, um sie, beispielsweise, zu der Aufnahme von Arbeitsgelegenheiten mit Mehraufwandsentschädigung zu erpressen, wie die Ein-Euro-Jobs offiziell genannt werden. So arbeiten mittlerweile in Deutschland über sechs Millionen Arbeinehmer zu Niedrigstlöhnen, die oft die staatliche Aufstockung erfordern, und unter Beziehern von Sozialleistungen grasieren Phänomene, für deren Existenz wir uns früher geschämt hätten, beispielsweise für die grassierende Kinderarmut in Deutschland. Wobei sich die Gewerkschaften um Menschen ohne Beschäftigung ohnehin nicht zuständig fühlen, als hätten sie die oben genannten Zusammenhänge immer noch nicht erkannt.

Seriöser Widerstand ist von den Gewerkschaften auch in Zukunft nicht zu erwarten, immer mehr verkommen die Gewerkschaften zu einer Organisation, die den Konsens sucht anstatt des Schutzes ihrer Mitglieder. Gezeigt hat sich dies vor allem an der Rolle des DGB während der Weltwirtschaftskrise, als man zu jedem Zugeständnis gegenüber den Arbeitgebern bereit war, angeblich, um Arbeitsplätze zu retten. Genutzt haben die Arbeitgeber diese Chance natürlich zu einer weiteren Verschlechterung der Bedingungen der Arbeitnehmer auf dem Arbeitsmarkt. So sind die nach der Krise entstandenen und als Folge eines Konjukturanstieges auch neu geschaffenen Arbeitsplätze zumeist prekäre Beschäftigungsverhältnisse, in denen die Arbeitnehmer skrupellos ausgebeutet werden. Während die Unternehmensgewinne (und Managergehälter) explodieren, sinken die Realeinkünfte der Mitarbeiter beständig, eine Entwicklung, der der DGB tatenlos zusieht. Früher, im Anfang der Geschichte der Bundesrepublik, haben die Gewerkschaften mutig dafür gekämpft, dass die finazielle und soziale Lage der Arbeitnehmer sich proportional oder zumindest adäquat zum allgemein wachsenden Wohlstand entwickelte, heute unterstützt man einen Untergang der Gesellschaft in einen reichen und armen Teil, indem man den Auswirkungen den Folgen des so genannten Neoliberalismus wie eine Naturkatastrophe als Ereignis verfolgt. Als Zuschauer.

Oder als Redner auf einer Maikundgebung. Markige Worte werden heute zu hören zu sein, glaubt man den Ankündigungen in der Presse, sie werden nur keinerlei Konsequenzen haben. Keine Folklore, ein Musikantenstadel wird aufgeführt werden, bei dem zudem ganz Andere die Regie führen, als die Schnulzensänger des DGB weißmachen wollen. So gesehen hat Kannengießer Recht, wenn er vom „Blenden“ spricht, und ich wünsche Ihnen sehr, dass Sie sich von dem Schabernack, der da heute aufgeführt wird, nicht beeindrucken lassen oder gar zum Mittäter oder Statisten machen lassen in diesem Schmierentheater. Genießen Sie lieber den hoffentlich auch für Sie arbeitsfreien Tag als Pause vor dem Terror, der Sie nächste Woche an Ihrem Arbeitsplatz oder auf der Geschäftstelle der ARGE erwartet, mit Ihren Lieben, und freuen Sie sich auch sonst auf:

Einen guten Tag.

Das Gesetz und die Propheten

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Für Anne und…

Schwer zu sagen, was man selbst machen würde, wenn man Zeuge einer Gewalttat wird, wie sie gestern in Berlin geschah: ob man dem Opfer helfen würde oder sich selbst in Sicherheit bringen würde aus Angst, selbst ein Opfer der Gewalt zu werden, - oder ob man sogar selbst seinen eigenen Gewalttrieb ausleben würde und womöglich…

Jedenfalls hat sich einer der Täter gestern bereits der Polizei gestellt, und obwohl noch keine Einzelheiten über das Profil dieses potentiellen Mörders bekannt sind, wird es sich wohl um das übliche biografische und charakterliche Persönlichkeitswrack handeln, das von anderen Straftaten dieser Art bekannt ist: aufgewachsen in einer gewalttätigen oder gewaltbereiten Umgebung, wurden die späteren Täter oft selbst Opfer von Gewalt oder lernten, dass Gewalt zur Lösung von Konflikten eingesetzt wird, usw.Ein entscheidender Faktor ist der Umstand, dass in solchen Kreisen früh und dann später generell auf Bildung wenig Wert gelegt wird. Wobei es keine Rolle spielt, ob der Vater (oder die Mutter) sich in Kneipen prügelt und abends RTL 2 schaut,oder ob die Eltern als Unternehmer das Recht des Stärkeren zelebrieren im Umgang mit Angestellten oder der Konkurrenz, und am Abend lieber Bilanzen lesen als ein Buch. Aus der einen Biografie und Sozialisation erwächst der Schläger,aus der Anderen der Amokläufer. Zum Beispiel. Begünstigt wird eine solche Entwicklung zum späteren Intensivtäter durch gesellschaftliche Entwicklungen: das Individuum wird höher eingeschätzt in seinem Wert als die Summe der Individuen, die Gemeinschaft, das führt zu einer zunehmenden Bindungsunfähigkeit und Vereinzelung untereinander. Wieder: Und so weiter.

Nur nützt es, um ein Problem zu lösen, recht wenig in der konkreten Situation, in der eher schnelle Entscheidungen gefragt sind statt der Reflektion über das Entstehen dieser Umstände, und in der es noch weniger hilft, über Therapiemöglichkeiten oder Strafen für die Täter nachzudenken, sich dieses Phänomens bewusst zu werden durch eine Analyse des selben. Erfahrene und professionelle Kriminalisten empfehlen eher, sich zuerst einmal selbst zu schützen, selbst Hilfe zu suchen durch Verständigen der zuständigen Polizei oder Ähnlichem, und den Tätern, wenn möglich, als Gemeinschaft gegenüberzutreten, um die logischerweise stärkere Kraft zu nutzen. Oft sind diese Täter aus oben genannten Gründen eher schwache, oft feige Kreaturen, die selbst nur in Überzahl stark zu sein glauben. Abgeraten wird dagegen von möglicherweise spektakulären Einzelaktionen, das ist der sicherste Weg, selbst zum Opfer zu werden.

Beunruhigend an solchen Gewaltausbrüchen ist nicht nur die ekelhafte Brutalität solcher Verbrechen, - einem Verletzten werden noch weitere Verletzungen zugefügt, einem Bewusstlosen wird noch an den Kopf getreten, - es ist die scheinbare Willkür, mit der die Opfer ausgewählt werden von diesem Pack, es kann jeden zu jeder Zeit an jedem Ort treffen. So gesehen wäre eine Gemeinschaft wünschenswert, in der es Maxime ist, dass Gewalt nicht geduldet wird in keiner Situation: durch Übereinstimmung müsste es selbstverständlich sein, sich sicher fühlen zu können beim Betreten einer S-Bahn, zum Beispiel, dass jedem von jedem geholfen wird, sollte er zum potentiellen Opfer werden. Wie oben beschrieben: als starke (nicht: gewalttätige) Gemeinschaft. Man nennt eine solche gesellschaftliche Übereinstimmung auch Moral. Übrigens. Sind solche Voraussetzungen allgemein akzeptiert, kann man sich um die Therapie oder Bestrafung der Täter kümmern.

Wieder der Kategorische Imperativ also, oder, wenn Sie es zu Ostern religiös mögen: Das Matthäus Evangelium 7, Vers 12. Verantwortung für Andere zu übernehmen heißt: Verantwortung für sich selbst zu besitzen. Gewalt gibt es nur dort, wo man sie duldet. Und sie äußert sich nicht immer physisch oder spektakulär in der körperlichen Eskalation, das Gefährliche an ihr sind ihre verschiedensten Erscheinungsformen und Nuancen.

Ich wünsche Ihnen und Ihren Lieben ein gewaltfreies Osterfest und:

Einen schönen Tag.

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