Sieg der Nettigkeit
Ob Sie es wahr haben wollen oder nicht: Das Leben ist ungerecht, und unsere Gesetzgebung ist es ebenso, ein Beispiel: Tatenlos sah die Polizei heute zu, als ein Mob wildgewordener so genannter Fußballfans ganze Straßenkreuzungen in Wuppertal laut hupend lahm legte, nachdem ein Team von Durchschnittskickern die argentinischen Fußballgenies um Messi niedergekämpft hatte, ein, wie ich finde, für das weitere und überhaupt Schicksal unserer geliebten Republik eher unbedeutendes Ereignis. Als ich dagegen vorigen Mittwoch hupend und den gelben Lappen schwenkend eine kurze Runde durch die Innenstadt drehte, um die Wahl des Kuratoriumsmitgliedes von” Pro Christ”, Wulff, in das höchste Staatsamt, das des Bundespräsidenten, zu bejubeln, wurde ich gezwungen, mich einem Alkoholtest zu unterziehen und erhalte demnächst einen Strafbescheid wegen Störung der Öffentlichen Ordnung und einen Bußgeldbescheid wegen Hupens innerhalb geschlossener Ortschaften. Nun sagen Sie selbst….
Genau wie mindestens 75 % aller Bundesbürger finde ich, dass Wulff ein guter Präsident ist, beziehungsweise sein könnte, er ist für eine kritische Bilanz seiner Tätigkeit noch ein wenig sehr kurz im Amt. Aber, wie er selbst sagen würde: “Ach so, wir müssen ja noch ein Foto machen”, oder etwas ähnlich Nettes. Denn ich finde ihn auch persönlich nett, ein smarter Typ, der mich an den Küster erinnert, der die Gottesdienste und so betreut hat, die ich als Kind immer besuchen musste. Immer angemessen lächelnd oder betroffen schauend, den Umständen entsprechend, so wie Wulff sicherlich auch sehr gut betroffen lächeln kann, wenn die neuesten Särge aus Afghanistan einfliegen. Leider stellte sich bei dem Küster später heraus, dass er seine Mutter getötet hatte, die er jahrelang aufopfernd gepflegt hatte, scheinbar, - ich erinnere mich noch, wie er am Tag der Tat laut schreiend in den Gottesdienst gestürmt kam. Ein Fall für die Psychiatrie, wo die fanatisch Netten öfter landen, so meine Erfahrung. Christian Wulff dagegen hat seine Mutti tatsächlich gepflegt mit weniger spektakulärem Finale.
