Wucherer

blog_Organisch.JPGStellen Sie sich bitte einmal vor: Sie gehen zu einer Bank und bitten um einen Kredit. Sie werden also nach Ihrem monatlichen Einkommen gefragt werden, woher das stammt und wie hoch es sei, und stellen Sie sich vor Sie würden dann antworten: Ich verdiene mein Geld als Spieler in diversen Kasinos, mein Einkommen ist hoch. Also, es wird vielleicht einmal hoch sein, bisher lebe ich noch von dem Geld, dass ich mir von anderen Banken geliehen habe, es ist verbraucht (sagen Sie lieber: investiert), und nun brauche ich von Ihnen frisches Kapital. Nun, man wird Sie an die Bundesregierung verweisen, die möge für Sie bürgen, eine Antwort, die nur vorstellbar ist, sollte ihr Sachbearbeiter Humor haben, wahrscheinlicher ist, dass man Sie einfach rausschmeißt, einen Arzt oder die Polizei holt, Alternativen, die für mich nicht ohne Humor sind. Ein Witz, verstehen Sie: Ein Banker ruft die Polizei oder einen Arzt…

Eine ein wenig schlichte Analyse der derzeitigen Finanzkrise, aber wie Tucholsky schon anmerkte: So, wie sich Klein Fritzchen die Weltgeschichte vorstellt, so ist sie auch. Die Banken haben sich gegenseitig Geld geliehen, um es an der Börse auf Schwarz zu setzen, und als sie gemerkt haben, dass alle Banken so arbeiten, ist das System zusammen gebrochen, man spricht von einer Vertrauenskrise, natürlich trauen sich Zocker am allerwenigsten untereinander, nur selbst Betroffene wissen doch, wie unwahrscheinlich es ist, auf Dauer zu gewinnen in diesem System der Spekulation auf sein eigenes Glück. Auch das entbehrt aber für mich nicht einer gewissen Komik: Wie Narren haben sie sich gegenseitig belogen und betrogen. Ich glaube nicht, dass sie von dem gegenseitigen Spiel gewusst haben, dazu scheinen mir die Damen und Herren Banker nicht intelligent genug zu sein, und sollten sie es sein, so wird diese Klugheit anscheinend geblendet von einer ekligen Gier nach eigenem Profit.

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Russisches Roulette

blog_Organisch.JPGKürzlich war ich mit meinem kleinen Liebling auf dem Weg zum KV – Treffen in Minden, kurz vor Dortmund klingelte das Handy, nein, Andreas kann jetzt nicht telefonieren, er fährt Auto, soll ich ihm etwas ausrichten… Was sie mir ausrichten sollte: Sage Andreas bitte, dass er heute wieder ganz ausgezeichnet fährt, -so ein Freund am Telefon, wir waren schon kilometerlang beobachtet worden, und die Kritik bezog sich darauf, dass ich anscheinend die Mittelspur nicht gewechselt hatte nach Überholvorgängen, soll angeblich verboten sein. Wie auch immer.

In seiner Jugend fährt jeder gerne schnell, der ein wenig Temperament besitzt, allerdings leider auch oft in Überschätzung der eigenen Fähigkeiten, - nun ja: Der Adrenalinrausch der Gefahr ist größer, der Rausch der Geschwindigkeit, wenn man gegen Gefühle für Gefahren unempfindlich ist, beides mit den leider bekannten, oft fatalen Folgen. Die richtige Spur für ein solches Fahrverhalten ist die linke, oder irre ich auch da? Diese Spur muss man aber verlassen nach einem Überholvorgang, da bin ich mir ziemlich sicher.

Die ältere Generation bevorzugt das eher langsame, vorsichtige Fahren, zumeist aus Unsicherheit, oder auch aus schlechter Erfahrung: Man hat halt einige Unfälle gesehen oder selbst erlebt. Meine Mutter, beispielsweise, fährt gar nicht mehr selbst auf der Autobahn, sie fühlt sich den Geschwindigkeiten dort nicht mehr gewachsen mit ihren 72 Jahren. Führe sie aber noch, so würde sie sich auf der rechten Spur halten, mit Richtgeschwindigkeit und als eine relative Gefahr. Angst ist genauso gefährlich wie Selbstüberschätzung beim Autofahren, das macht auch oft die große Erfahrung nicht wett.

Menschen mittleren Alters, so wie ich, beispielsweise, fahren am liebsten komfortabel, wenn sie einigermaßen bei Verstand sind. Man fährt rechtzeitig los, am liebsten ein wenig zu früh, damit man mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 140 km/h ohne Nervenanspannung, ohne sich groß in Gefahr zu begeben, ohne Angst vor dem eigenen Wagemut und ohne Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten am Steuer nicht auf der Autobahn herumzugeistern muss. Schön ist es, wenn man während der Fahrt angenehme Gesellschaft hat und ein wenig plaudern kann, man kann sich nicht auf ein Gespräch konzentrieren, wenn man ständig darauf konzentriert ist, jede Millisekunde und jeden Millimeter auf der Autobahn auszunutzen. Man kann etwas essen oder trinken während der Fahrt, und wenn man alleine ist Radio hören, sogar einen Kulturkanal.Man rast nur, wenn man muss, und dann auch nur moderat. Das Autofahren ist ohnehin dermaßen zur Routine geworden, dass es leicht langweilt, nur eher schlichte Gemüter fahren in meinem Alter noch gerne selbst Auto, da gibt es Interessanteres im Leben als ein Maschine zu bedienen. Wir Mittelalten wählen so die mittlere Spur, bis wir erfahren, dass das verboten ist. Angeblich.

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Kleines Versehen

blog_Organisch.JPGKürzlich wurde ich von einer jungen Kollegin hier bei kV gefragt, ob ich tatsächlich einmal einen Stein in die Schaufensterscheibe einer prominenten Partei geworfen habe, ich habe das zugegeben, es ist verjährt, vielleicht hätte ich es auch so zugegeben, ist ja auch egal, aber… Ob man sich danach besser fühle, hat sie gefragt, und ich habe natürlich pädagogisch wertvoll geantwortet: Grundsätzlich zerstört man das Eigentum anderer Menschen nicht, und eine Demokratie bietet genügend Möglichkeiten zu gewaltfreier Diskussion und Mitbestimmung,es ist ein Zeichen von Schwäche und Hilflosigkeit, von Dummheit usw., - ergänzen Sie diese Aufzählung bitte selbst. Aber ohnehin ist es um die Qualität meiner pädagogischen Ratschläge nicht gut bestellt, als mein Neffe einmal eine Scheibe eingeworfen hatte, habe ich ihn angezischt, und das am helllichten Tag, so bekloppt kannst auch nur Du sein, worauf meine Schwester mich ebenso anzischte: Na, toll, soll er sich nachts heimlich rausschleichen und dann Scheiben einwerfen?, - und sie hatte natürlich Recht. Wäre auch nicht besser gewesen, wenn er das klüger angestellt hätte, so gesehen.

Andererseits, wenn man sich heute einmal einige Nachrichten anhört oder durchliest, beispielsweise die auf „Spiegel Online“, so hat man schon sehr große Lust auf eine seriöse Diskussion mit den politisch und überhaupt Verantwortlichen, ein einziges Beispiel: Unser Verteidigungsminister besucht heute Afghanistan, die deutschen Söldner dort, besser gesagt. Ursprünglich wollte er gemeinsam mit der Big Band der Bundeswehr anreisen, um seine Truppen zu „unterhalten“, da wollte er wohl nicht alleine auf seine Fähigkeiten als Entertainer vertrauen. Aber nachdem die dort stationierten Mörder ( so darf man sie laut Gerichtsurteil mittlerweile wieder nennen: Soldaten sind Mörder) einige Zivilisten getötet hatten, aus Versehen, oder zur Selbstverteidigung, wie sie das selbst nennen, und sie nun begründete Angst vor Gegenangriffen haben,wollte man sie nicht zusätzlich durch das Gedudel ihrer eigenen Musiker reizen.

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Jack Daniels

Er rief mich täglich an, furchtbar, wenn Sie mich fragen, und dann redete er mit dieser müden Stimme, wie sie Psychologen haben, oft, oder sonstige Menschen, die alles verstehen, die alles zu verstehen versuchen, alles zu verstehen glauben. Worum es ging: um Kant und Aristoteles, Platon, Jaspers, oft, Psychologie, Soziologie, Kunst, Literatur, zum Beispiel, und am Ende führte alles in die Eschatologie. Haben Sie dieses gelesen und jenes, müde Stimme, Zitate, Meinungen zu allem, kleine Bonmots. Keine wichtigen Themen, nichts über Frauen, Fußball oder Boxen, zum Beispiel, und wenn doch: Mitscherlich, Handke oder Wondratschek. Mich hat vorhin Jack Daniels angerufen, sagte ich gestern, er wartet auf meinen Rückruf, es ist dringend, es geht um sein neuestes Werk, um meine Meinung dazu. Er kannte ihn nicht, eigentlich kennt er niemanden und nichts, aber er recherchiert, natürlich: vielleicht ruft er deshalb heute nicht an, morgen nicht und nie wieder.

Texte

Besetzt

blog_Organisch.JPGGestern hat mich meine Schwester angerufen, sie ist ein wenig verrückt, finde ich, trotzdem und gerade deshalb liebe ich sie sehr, verrückt also, weil: Sie telefoniert gerne, und zwar lange. Gestern ging es eigentlich um einen Geburtstagswunsch für eine Freundin, - Du bist doch so ´ne Art Dichter, mach doch mal einen, - und normalerweise antworte ich, besonders an Tagen wie gestern, als es immerhin 22.30 Uhr war: „Im Moment bin ich kein Dichter oder so etwas, sondern müde, und Geburtstagsgrüße fallen mir ohnehin niemals und nie vernünftige ein“, aber meine Schwester, - nun, etwas völlig anderes, siehe oben. Bei der Gelegenheit fällt mir ein, dass meine liebe Freundin Daniela gestern Geburtstag hatte: Noch einmal alles Liebe und Gute für Dich und Deine Lieben, Daniela, und eine Umarmung, bleibe, wie Du bist, bitte. – Sehen Sie, Geburtstagswünsche: nicht mein Ding.Aber, telefonieren: Natürlich lege ich Wert auf Erreichbarkeit, besitze einen Anrufbeantworter, der auch anspringt, wenn bei mir besetzt ist, ein Handy mit dem gleichen Service, zudem natürlich mehrere Mailadressen, die selbst für ganz Blöde leicht zu merken sind: Man setzt einfach ein „post“, „mail“ oder „info“ vor meinen Realnamen oder Nick, dazwischen das „@“-Zeichen nicht vergessen, und bei dem Nick braucht man sich nicht einmal zu merken, ob ich in Deutschland lebe oder irgendwo, hier kann man mich auch unter „com.“ erreichen. Sämtliche Konten werden alle drei Minuten abgefragt, sobald ich mein Mailprogramm starte. Außerdem richte ich bei Projekten eigene Adressen ein, viel mehr kann man wohl nicht machen in punkto Erreichbarkeit. Ein Benutzerkonto bei „icq“ und „skype“  ist ja heute ohnehin eine Selbstverständlichkeit. Sobald ich zu Hause bin, erledige ich meine Anrufe, ich rufe also zeitgleich zurück, möglichst, ebenso handhabe ich das bei Mails, - ansonsten könnte man mir  auch Briefe schreiben, Brieftauben schicken oder Ähnliches, wenn das Beantworten der Kommunikationsversuche lange dauern soll. Höflichkeit, nicht wahr, Respekt vor dem Anderen, entschuldigen Sie bitte diese Schimpfworte der heutigen Zeit.

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Essen

Esther_3.jpg

Am 10.November fand die erste „Pott-Lesung“ in Essen-Steele statt, wie angekündigt lasen die Autoren Esther Pollok (Anifarap) und Andreas Hempler (wupperzeit).

Insgesamt eine gelungene Veranstaltungen, Publikum und Akteure waren zufrieden oder mehr, anschließend eine kleine Feier, wie üblich bei uns.

Die Resonanz hätte größer sein können, aber: Es war ein Anfang, und aller Anfang ist schwer, wie es heißt. Mal sehen, wie es bei der nächsten Lesung aussieht…

Alles anders. Oder nicht?

Erste Kolumne des neuen Mittwochsteams keineKolumne.de

BrigitteG:

Herrje, ich habe meine Frauen verloren… oder sagen wir es konkreter: zwei verloren, eine gewonnen, und noch ’nen Kerl dazu – und welche Variante ist besser? Wir drei (KeinB, Wupperzeit und ich) sind also das neue feste Kolumnenteam, über variable Gastkommentatoren wollen wir noch diskutieren.

Ich freu mich auf Euch beide, und bin gespannt auf die Themen, die Ihr Euch wählt. Meine Methode wird die gleiche bleiben: bei irgendwelchen belanglosen Themen so lange herumblubbern, bis mir nichts mehr einfällt (böse Zungen behaupten, ich schriebe dann trotzdem noch weiter…).

In diesem Sinne: Glückauf!

KeinB:

Es war im wunderschönen Monat Juni, Anno 2008, als mich ganz harmlos und unverbindlich eine Mail einer gewissen Brigitte G. (Alter der Redaktion bekannt) erreichte, sie habe an mich gedacht. Also konkret. So richtig bewusst an mich. Genau da war für mich und mein Ego bereits der Punkt erreicht, an dem wir genug gehuldigt und gesalbt worden waren – ich hätte zu allem ja gesagt, ich bin in manchen Hinsichten furchtbar einfach gestrickt. Das funktioniert bei mir ähnlich wie bei Männern: Gib ihnen ein Bier und sie sind glücklich. Also: Gib KeinB ne Kolumne und sie ist glücklich. Oder besser: Gib KeinB irgendwas und sie ist glücklich. Vorausgesetzt es ist kein Spinat oder Pferd oder Fußball.

Jedenfalls, jetzt saß ich also da und hatte zugesagt, eine Kolumne zu schreiben. Der erste Gedanke, der mir durch den Kopf ging, war: Geil! Ich schreibe eine Kolumne. Der zweite: Was schreibt man da? Und dann irgendwann fiel mir ein, dass ich überhaupt gar nicht wusste, WIE man eine Kolumne schreibt. Ich weiß es auch jetzt noch nicht so richtig. Ich werde mich überraschen lassen oder – wie es auf neudeutsch so schön heißt: Learning by doing. Und weil auch so eine
Eindrittelkolumne irgendein Schlusswort braucht:

Irgendein Schlusswort.

wupperzeit:

Gerade aus dem Team der Jugendkolumne herausgeflogen, - zu alt, zu doof, zu hässlich, zu überhaupt, - und gleich befördert in ein Erwachsenenteam: Wenn das kein Glück oder keine Karriere ist, dann weiß ich das auch nicht. Und dann noch das legendäre Mittwochsteam…

Außerdem, Erwachsenenkolumne: Ich freue mich auch auf die erwachsenen Themen, endlich muss ich nicht mehr überlegen, was könnte die lieben Kleinen interessieren (unter uns: Ich habe das nie so recht herausgefunden oder verstanden), jetzt kann ich über die Themen schreiben, die mich interessieren, vielleicht auch Sie interessieren werden, - wir werden sehen.

Eventuell gelingt es mir sogar im Laufe der Zeit herauszufinden, worin der Unterschied zwischen jungen und erwachsenen Themen liegen könnte, ich hoffe das eigentlich überhaupt nicht, und damit:

Einen schönen Tag.

Kolumne
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