Ach, ja, wahrscheinlich seid Ihr es müde, Ratschläge von alten, von mittelalten Männern und Frauen anhören oder durchlesen zu müssen, und, unter uns: Mich langweilt es, welche zu erteilen, abgesehen von meiner Kompetenz, ein trauriges Thema, und ich langweile mich nicht gerne in meiner Freizeit. Mein Chef möge es mir verzeihen, und mich nicht morgen mit den Worten begrüßen: „Wie lange sind Sie eigentlich schon hier, morgen mal nicht mitgerechnet…“, aber ich langweile mich in meinem Job schon genug, trotz des Stresses, es ist eben ein langweiliger Stress. Also erzähle ich lieber kleine Anekdoten, und wer errät, welcher Ratschlag darin unglaublich raffiniert versteckt ist, und wem ich noch dazu einen Preis gönne, der erhält einen von mir. Könnte sein, dass „langweiliger Stress“ schon ein Hinweis ist. Muss aber nicht. Sein.
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Nur als Warnung, für die jungen oder naiven Kollegen unter uns: Es gibt im Leben, während eines Lebens, Angewohnheiten, die zur Sucht werden können, nicht nur bei labilen oder entsprechend veranlagten Menschen. Es beginnt ganz harmlos, und irgendwann kann man nicht mehr damit aufhören, die Sucht beginnt das Leben, den Alltag zu bestimmen, es folgt der soziale Abstieg oder so etwas, einige von Ihnen werden mir das bestätigen am Schluss.
Ich heiße Andreas, ich bin Vordemeinschlafenleser. Es begann, siehe oben, ganz harmlos, in der Kindheit, es war verboten, ab einer gewissen Uhrzeit zu lesen, und in dem Verbotenen lag der eigentliche Reiz, der Nervenkitzel, der Sinnesreiz als Anlage für das spätere Verderben. Dann die Schulzeit, die späte, man schaffte seine Pflichtlektüren tagsüber nicht, und so las man sie nachts. Konnte man sich so angeblich auch besser merken, den Inhalt, für den nächsten Tag, die ersten Ausreden für den schleichenden Zerfall. Als Erwachsener zur Entspannung, abends ein paar Seiten, nicken Sie ruhig betroffen: Sie haben ja Recht.
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von A.J.
Ich habe meine Flügel geöffnet und bin davongeflogen. Es hat mich fortgetragen wie mit einer Böe, von einer Brücke wurde ich zur nächsten geweht, bevor ich mich versah. In Sekundenbruchteilen scheine ich von einer Stadt in die nächste gewirbelt zu sein, obgleich doch Länder und Ewigkeit liegen zwischen meinem Hier- und meinem Dortsein. Es ist sich jedoch fast gleich: die Brücken, sie ähneln sich in all diesen Städten: Paris, Prag, Budapest. Es stehen Menschen an den Geländern, die husten und atmen und zwinkern und lange Blicke auf nicht existierende Landschaften werfen, bevor sie wie unbeteiligt weitergehen und sich stehen lassen über dem schmutzigen Grau. Sie schleichen nach Hause, gebeugt, manche schnell, als sei ihnen eingefallen, dass es doch noch etwas wichtiges gibt in der Welt, wohin zu eilen es sich lohnt. Wie von unsichtbaren Körpern getragen bewegen sich Tüten und Taschen und Mäntel voran und lassen ihre Träger unter einer Laterne stehend zurück.
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