Ein Idiot

Kein Beitrag für den Kolumnenwettbewerb

Wenn das Telefon läutet, Sonntags, Sonntagmorgens…Nun, sie war am Telefon, Freundin, ob ich das gelesen habe, Jubiläum unseres Einkaufszentrums, deshalb Verkaufsoffener Sonntag heute, und ob ich mitginge, mitgehen würde, auf einen Kaffee. Nein, natürlich nicht, zwei Alarmwörter, die ein „Nein“ automatisch bei mir auslösen, nämlich die Kombination von „verkaufsoffen“ und „Frau“, also: ich habe schon etwas vor, was denn jemand wie ich vorhabe, ich sei schon verabredet, wer sich denn mit mir freiwillig verabrede an einem Sonntag, außer ihr, also: 16.00 Uhr am Hauptbahnhof, Bahnhofsbücherei.

Tatsächlich war sie schon um 16.30 Uhr da, atemlos, sie hatte sich extra meinetwegen beeilt, Sonnenstudio, liegt ja auf dem Weg, und fast hätte sie sich verbrannt wegen meiner ewigen Hetzerei, warum ich so unfreundlich schauen würde, schon wieder schlecht gelaunt, oder wie, bei dem Wetter, und ich selbst bin von den Frauen, mit denen ich zusammen leben durfte, eine Weile, viel zu gut erzogen worden, um auf so etwas zu antworten, und habe eine Strategie entwickelt mit der Zeit, die lautet: Schweigen, Thema wechseln, das Beste daraus machen. Also noch schnell bei der Bank vorbei, das hättest Du auch vorher machen können, gleich bekommt man nirgendwo einen Platz, ja, ich weiß. Ich weiß.

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Paul G

Gerade hat meine Katze auf mein Sofa gekotzt, ich überlege gerade, ob ich Katzen wirklich so sehr mag, wie ich es in meiner vorigen Kolumne behauptet habe, diese Katze also, meine Meinung über Skinheads hat sich aber überhaupt nicht geändert. Und: Bitte nicht mehr bei mir anrufen, ich mag auch andere Tiere, Elefanten, Eichhörnchen, Nacktmulle, wie Sie wollen, und ich mag auch andere Menschengruppen nicht, beispielsweise Politiker in Talkrunden oder überhaupt. Wen ich, zum Beispiel, mag:

Paul, Paul G, ein riesiger Boxerrüde, gehört der Familie G, der zu KV-Treffen mittlerweile gehört wie der Geißbock zum 1. FC Köln. Ein furchtbar netter Hund, freundlich, enthusiastisch, harmonisierend, anhänglich, er widerlegt Vorurteile, die ich früher gegen Boxer hatte. Muskelstrotzende, geifernde, sabbernde, hässliche Köter, seit ich Paul kenne: keine Rede mehr davon. Jeden Teilnehmer begrüßt er freudig, wobei er allerdings nach Bekanntschaft differenziert, Herrn Owald begrüßt er freudiger als mich, er begrüßt aber jeden, gelegentlich auch Nichtteilnehmer, niemand wird von ihm diskriminiert. Freundlich, eben. Enthusiastisch: Für jede Aufmerksamkeit ist er dankbar, gelegentlich holt er sie sich mit einem gewissen Nachdruck, sei es ein trockenes Brötchen oder ein Streicheln zwischendurch. Harmonisierend: Er bildet sofort ein Rudel, jeder im Raum gehört dazu, und wenn ein Mitglied den Raum kurz verlässt, wird es entsprechend betrauert und nach der Rückkehr freudig begrüßt, freundlich, nach Bekanntheitsgrad, ich schrieb es schon. Bereits. Anhänglich: Hat er jemanden ins Herz geschlossen, und er schließt fast jeden in sein großes, großes Herz, kann es vorkommen, dass er den ganzen Abend versucht auf dessen Schoß zu hocken, zu knuddeln und zu schmusen. Ich erinnere mich da an ein Treffen in Dortmund, Paul den ganzen Abend auf dem Schoß einer Kollegin, die uns leider verlassen hat, aber das war schon ein rührendes Bild, Paul mit seinen vierzig Kilo auf dem Schoß der kaum schwereren Dame. Wobei es ein wenig darauf ankommt, wie nah man an den Gs sitzt, gelegentlich benutzt er Teilnehmer schlicht als Brücke. Dauerbrücke.

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Leo

Dies ist übrigens kein Beitrag für den Jugendkolumnenwettbewerb, lapidar wurde mir mitgeteilt, ich sei „einfach viel zu alt“, es folgten Schimpfworte, - nun, jetzt bin ich in der Jury, ist doch auch etwas.

Aber einmal etwas Anderes: Darf man ein Tier mehr lieben als einen Menschen? Ein Beispiel: Ich habe also eine Katze zu Hause, acht Jahre alt, rotbraun, wunderschönes Tier, und wenn man mich fragt: Wen magst Du lieber, Alter, ey, den grölenden Skinhead in der S-Bahn, oder Deinen Leo, so heißt mein kleiner Liebling, oder noch schärfer gefragt: Wenn Du wählen müsstest, einer von Beiden muss nach Walhalla, Ulf oder… Investieren Sie bitte keinen Euro mehr für Flaschenbier in das stinkende Schwein, wenn man Sie darum angrunzt. Also in Ulf.

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Eine Maus

Dann lag die tote Maus da, vor der Küche, sie hat sie gesehen. Unsere Katze hat die Maus getötet, das ist die Natur, getötet und liegen gelassen. Nur war sie überrascht, dass ihr kleiner Liebling das kann, sie hat das ignoriert, das Animalische in Allen. Seitdem sieht sie die Katze anders an, die Katze und dann mich.

Vorgelesen von bratmiez

metaphorische Freundschaft

von paradoxa

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Symetrische differenz
unvollkommen Perfektionistisch
Mal erosion Und defaltion
doch Die bonheur
Fuchs und prinz

Danke, Sabine. Für alles.

Über Kant

Meine Favoritenliste: Bekanntschaften im Regen oder Schnee, oder ohne, eine lange Liste, immer länger im Laufe der Zeit. Zum Beispiel: die Dicke an der Ampel, an der ich nicht vorbei komme mit meinem Schirm, ich muss warten, bis sie über den Übergang geschnauft ist, gut: sie kann nichts dafür, ich weiß, es regnet ständig, darum die Drüsen und der Frust, ich bin selber dick. Oder der Skinhead an der S - Bahn, Hey, Mann, kann ich Deine Socken haben, für meinen Hund, und als er mich anfasst mit seinen Dreckpfoten, ich überlege: in welchen der Abfalleimer an den Bahnsteigen ich den Rest von ihm nachher stopfe, aber er weicht zurück, der Selbsterhaltungstrieb der Kreatur hat sich durch den Biernebel gemeldet, und: er kann nichts dafür, seine Mutti hatte ihn nicht lieb, ich weiß, meine mich auch nicht. Oder die Verkäuferin im Drogeriemarkt, Darf ich Sie ansprühen, das Probefläschchen auf mich gerichtet, nein, danke: seit Jahren verströme ich den selben Duft, mein Revier zu markieren, also gut: sie kann nichts dafür, sie verdient ihr Geld, ich weiß, ich selbst mache das fast jeden Tag. Oder die Buchhändlerin, heute, als ich ein Buch für einen Freund kaufen wollte, Geburtstag und er hält sich für gebildet, weil er nichts von Fußball versteht, also, Frau Bookmanagerin, Frau Buchphilosophin, wir sind heute alle Manager oder Philosophen und beides, irgendetwas mit dem Kategorischen Imperativ, bitte, zwei Kilo, aber frisch, wenn`s geht, danke, aber sie bietet hier keinen Kant an in diesem Schuppen, keines seiner Bücher, und abends schreibt sie Gedichte, die veröffentlicht sie in Foren, gepflegt nach drei Gläschen Sekt, und man ist höflich und nett in diesen Foren, man kann Texte empfehlen und favorisieren, nicht: von ihnen abraten, vor ihnen warnen, und ihre Gedichte sind schlecht, grottengrottenschlecht, Stein auf Bein auf Sein, Wand auf Rand auf Kant, ach, ja: -sie kann nichts dafür, Frau Buchphilosophiemangagerdichterin kann sich nicht abfinden mit der Banalität ihrer Existenz, Fett und Dreck und Gestank für Geld, oder weil uns unsere Muttis nicht geliebt haben, wer weiß, ich veröffentliche selbst in Foren, eine lange Liste, eine Favoritenliste, eine Favoritenmanagerphilosophenliste, eine Fettdreckgestankgeldliste: Bekanntschaften im Regen oder Schnee, oder ohne, Frau Beautyphilosophin und Herr Skinheadmanager, Frau Drogeriemarktdichterin und Herr Weisheitsweißnichtsfreund, Frau Buchhandelsbeautyskinheadweißnichtsdichterin, Herr Revierverteidigungsfavoritenlistenschneeregenschwätzer, oder Kant, der nicht gelesen, favorisiert oder empfohlen wird, dessen Kategorischer Imperativ Schnee ist und Regen, oder ohne: ich weiß.

Texte

Herz von Marburg, und:…

Vorigen Montag ist keine Kolumne erschienen, meine Schuld, ich war dran, war aber nach dem Treffen in Marburg zu müde, und: rechte Lust hatte ich auch keine…Entschuldigt das, bitte. Übrigens, Marburg:

Es waren auch junge Autoren anwesend, in Marburg, erfreulich viele, und: an der Außenwand des Turmrestaurants, in dem unser Treffen stattfand, blinkte ein riesiges Herz, und: es gibt eine neue Jugendvertreterin. Jugendliche Autoren anwesend waren ca. zehn, das Herz war eine Werbeaktion einer Kontaktbörse, die neue Jugendvertreterin heißt Julia „Jule“ Kindermund.

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