Tja, es ist, wie es ist: ich kann immer nur eine Sache vernünftig machen, es versuchen, meine Aufgabe für heute Abend: eine Kolumne zu schreiben und an dem Projekt teilzunehmen: „Wäre ich ein Tier, wäre ich…“, ich empfehle letzteres hiermit einmal ausdrücklich. Also, wie gesagt: tja…
Gestern fand unser monatliches NRW-Treffen statt, der „Pott-Stammtisch“, ich bin mit dem Zug gefahren, dieses Mal, es war heiß, für die 40 km von Wuppertal nach Essen benötigte ich gestern 90 Minuten, wegen Bauarbeiten der Deutschen Bahn AG, es war heiß und stickig in dem Zug, Umsteigen in Hagen…Und schon in Gevelsberg stieg jemand ein mit Gitarre, Vollpsycho, das erkenne ich auf den ersten Blick, sie setzen sich meistens neben mich, und dieser traurige Tropf wollte tatsächlich etwas vorspielen, ob es jemanden störe, und mein angewiderter Blick hat ihn ermutigt, unglaublich, und dann: „Marmor, Stein und Eisen bricht…“, wie kann man das heute noch spielen, es ist ja verbrauchter als „Yesterday“, - grauenhaft falsch und kein bischen textsicher, und ich versuchte, über das Projekt nachzudenken, und ich dachte: „Wäre ich ein Tier, dann wäre ich gerne ein Hund und würde ihn in die Hand beißen.“
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Der Adel geht, der Pöbel bleibt. Naja
von kindermund, para.gone und wupperzeit
Kindermund:
Ich kann mir nicht vorstellen, wie es ist, die Schule zu verlassen. Nie wieder Unterricht. Zwölf Jahre lang gab es nichts anderes. Ich konnte mir aber auch nicht vorstellen, wie es ist, wenn die Zwölfer die Schule verlassen haben. Freilich sind sie noch Schüler. Aber sie haben keinen Unterricht mehr, nie wieder. Deshalb sind sie auch nicht hier und es ist still.
Ein Jahrgang verschwindet einfach. Sie hinterlassen frisch angemalte Wände vom letzten Schultag, ein großes Poster für jeden Kurs mit dem Kursmotto darauf. T-Shirts haben sie getragen am letzten Tag, knallbunte T-Shirts mit Sprüchen drauf, die nur die jeweiligen Leistungskurse verstehen. Eine eingeschworene Truppe und jetzt stieben sie in alle Himmelsrichtungen: Lernen, Studieren, Bund. Die kommen nicht wieder. höchstens vereinzelt: noch mal vorbeischauen.
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von A.J.
Noch einen Kaffee, bitte, ja, danke. Mein Magen schmerzt bereits, Säure steigt heiß die Kehle hoch, aber ich brauche noch mehr Kaffee, jetzt sofort. Die Spitzen meiner rechten Finger zittern, und klopfen leise auf die Zeitung, die auf dem Tisch liegt, und auf welcher sich meine Hand niedergelassen hat. Ich kenne jede Zeile darin, ich habe jeden orthographischen Fehler entdeckt, jede schwache Formulierung; ich habe sie so oft durchgelesen in den letzten Stunden, dass ich mir sicher bin, sagen zu können, dass ich noch nie so gut über die aktuellen Geschehnisse in der Welt, oder was man dafür hält, informiert war, wie heute. Kellnerin vergisst Kaffee prangt es auf Seite drei über dem Foto einer leeren Tasse. Nach der unglaublichen Zeitspanne von sieben Stunden, die Frau M. aus F. auf die von ihr bestellte Tasse Kaffee warten musste, verstarb sie schließlich infolge der Entzugserscheinungen. Der Pathologe teilte jedoch mit, dass Frau M. bereits zuvor an einer schweren Krankheit gelitten habe, deren Auswirkungen vermutlich sowieso in näherer Zukunft zum Tode geführt hätten.
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Als ich die ersten Mails einer lieben Freundin aus Österreich erhielt, endete sie immer mit: „Grüße ins Tal“, ich habe mir nichts dabei gedacht, einfältig, wie ich oft bin, bis sich aber herausstellte, dass sie Wuppertal für ein Tal hielt, und nicht für eine Großstadt, von der es, an der Einwohnerzahl gemessen, in Österreich nur drei oder vier gibt. Wuppertal eine Art Schlucht, so sind sie, die Österreicher, sie sagen: „Warten wir, wie es sich ausgeht“, und, wenn sie jemanden besonders sympathisch finden: „Er soll in Oarsch gehen“, oder: ein Mail, nicht eine, oder „schiach“ statt: eklig, und man trägt dort Badeschlapfen im Sommer, ein schlechter Torwart ist: ein Eiergoalie…Ich liebe diese Sprache sehr.
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Die zweite öffentliche Lesung des Vereins hat am 03.03.07 in Papenburg stattgefunden. 14 Autoren von keinverlag.de haben gelesen, moderiert hat wupperzeit.
Die Organisation der übernahmen die Vereinsmitglieder TrudeKaschinsky, wupperzeit und Tatzen von keinverlag.de.
Das Programm war abwechslungsreich, Lyrik und Prosa, Ernsthaftes und Witziges, auch ein Dialog war dabei. Musikalisch begleitet wurde die Lesung, die in den Räumen der VHS stattfand, von einem Mann am Klavier. Es kamen 50 Zuschauer-innen.
Was haben wir gelernt aus unserer ersten Lesung? Wir haben diesmal mehr Prosa hineingenommen, und mehr Unterhaltsames, das lockert auf. Wir haben die Lesung nicht so lang geplant (nur gute zwei Stunden). Wir haben die Moderation etwas gestrafft. So gesehen - müsste die dritte Lesung eigentlich so richtig erste Sahne werden …
Wie die schon heißen, sagt sie, Schweinsteiger, Ziege, Lahm, und der Trainer Völler wie voll, so kann man ja nicht Europameister werden. Wie denn der gutaussehende englische Spieler noch einmal hieße, und ich sage: Beckham, das heißt auf deutsch: Beckenbauer. Und der Trainer der Griechen heißt Rehakles, und sie sagt: Du spinnst, und da hat sie wahrscheinlich Recht. Nur: “Bevor Du einem Menschen die Wahrheit sagst, überlege stets, ob er sie auch ertragen kann”, sagte Seneca, im Altertum Trainer der Griechen.
Vorgelesen von paradoxa